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Wiederholen wir Verhaltens- oder Denkweisen stetig, so werden sie zu Gewohnheiten, also zu Handlungen, die wir ganz automatisch durchführen, viele davon sogar täglich.

Wie stark Gewohnheiten unser Leben beeinflussen, wird in den folgenden Beispielen deutlich:

Ben hat seinen virtuellen Briefkasten immer genau im Auge und meint, er ist im Multitasking bestens geübt. Beim Telefonieren und im Meeting werden E-Mails überflogen, selbst auf der Couch vor dem Fernseher, wo er sich doch entspannen sollte. Ploppt die kleine rote Zahl an der Mailbox auf, klickt er sofort. „Sie haben Post.“
Ben hat sich angewöhnt, E-Mails immer sofort zu lesen – nicht unbedingt aufmerksam, nicht um sie gleich zu erledigen, sondern nur um zu wissen, worum es geht. Die Macht der Gewohnheit treibt ihn dazu. Dieses Verhalten lenkt ihn jedoch von den Aufgaben ab, auf die er sich eigentlich gerade konzentrieren wollte. Er fühlt sich gestresst, gejagt und geknechtet von dem kleinen Briefsymbol.

Daniel ist leidenschaftlicher Motorradfahrer. Die Freiheit, das Adrenalin, sich richtig in die Kurven legen – das ist sein Ding. Er muss dabei nicht mehr nachdenken, wann er den nächsten Gang einlegt, wie er den Blinker bedient oder bremst. Alles läuft automatisch ab, alle Handgriffe sitzen.

Wir brauchen Gewohnheiten

Gewohnheiten bestimmen unseren Alltag – manche erleichtern ihn, sind teilweise sogar überlebenswichtig, manche sind aber auch schädlich oder lästig. Abhängig ist das davon, ob sie mit unseren Zielen übereinstimmen oder uns nur Energie und Zeit rauben, sogar unsere Gesundheit schädigen.

Die Macht der Gewohnheit: Gewohnheiten beeinflussen unser Leben.

Ohne Gewohnheiten würde uns die Routine fehlen. Laut Bas Verplanken, einem Professor für Sozialpsychologie an der University of Bath in England, zufolge werden zwischen 30 und 50 Prozent unseres täglichen Handelns von Angewohnheiten bestimmt (Quelle: zeit.de). Bist Du erfolgreich oder nicht? Ergebnis deiner Gewohnheiten. Bist Du glücklich oder nicht? Alles was Du tust, alles was Du bist, ist die Summe Deiner Gewohnheiten.

Das Fazit aus dieser Erkenntnis: Du hast Dein Leben in der Hand. Trenne Dich von alten Routinen, die Dir schaden und arbeite an neuen, die Dich bereichern.

Woher weiß ich, welche neuen Gewohnheiten mein Leben bereichern würden?

Früher oder später kommt jeder von uns an den Punkt, an dem man sich entscheidet: Veränderungen müssen her.

Die Folge dieser Entscheidung ist, dass wir uns Ziele setzen – meistens zu hohe. Wir nehmen uns vor, etwas umzukrempeln, etwas ganz „neu“ zu machen, am besten gleich morgen. Die Motivation ist anfangs hoch, nimmt dann aber immer weiter ab. Es ist einfach zu schwierig, zu anstrengend.

Anhaltende Veränderung ist ein Produkt täglicher Routinen, es gibt nur sehr selten eine „Einmal-und-nie-wieder-Lösung“.

Tipps für das Bilden von Gewohnheiten: Mach es Dir einfach, damit die Motivation bestehen bleibt.

Ablauf von Gewohnheiten: Die Gewohnheitsschleife

Gewohnheiten laufen (fast) immer nach dem gleichen Schema ab – drei Schritte, die der Autor und Gewichtheber James Clear als die Gewohnheitsschleife bezeichnet.

  1. Auslöser
    Was löst die Angewohnheit aus?
    Du möchtest Dich auf eine Aufgabe fokussieren, öffnest Spotify und wählst erst einmal eines der (vielen) Alben von Metallica aus. Mit der richtigen Musik kannst Du Dich einfach am besten konzentrieren.Plötzlich ploppt ein kleiner Kasten rechts oben auf: „Sie haben eine neue E-Mail.“
  2. Routine
    Als Routine wird in der Gewohnheitsschleife das Verhalten bezeichnet, dem ein Auslöser vorausging und das Du nun automatisch durchführst.Du wirst durch Metallica einfach in Deinen „Arbeitsmodus“ versetzt, und das geht so lange gut, bis die kleine rote Zahl dort an dem Briefsymbol auf deinem Desktop erscheint und Dich ablenkt. Der visuelle Auslöser provoziert eine automatisierte Handlung: E-Mails gleich zu lesen, wenn sie reinkommen.
  3. Ergebnis/Belohnung
    Welches Ergebnis erzielt Deine Handlung?Du bist ziemlich weit in der Bearbeitung Deiner Aufgabe gekommen – Metallica sei Dank. Die Belohnung: Du wirst gleich die Zeit für einen Kaffee mit dem Kollegen haben.Dann ist aber die E-Mail gekommen und hat Dich aus Deinem Rhythmus gerissen. Eigentlich hattest Du Dir doch vorgenommen, Dich nicht mehr so schnell ablenken zu lassen. Aber immerhin weißt Du jetzt, wer Dir geschrieben hat und worum es ging.

Ist das Ergebnis positiv, so wirst Du den Vorgang wiederholen (wollen), wenn Du den Auslöser das nächste Mal wahrnimmst, dann immer und immer wieder, bis aus der Handlung eine Gewohnheit geworden ist.

Die Gewohnheitsschleife oder Habit Loop beschreibt den Ablauf einer Gewohnheit.

Was formt Gewohnheiten – Die vier verborgenen Kräfte

„Du kannst alles erreichen, wenn Du es nur wirklich willst“ – Ich bin ein absoluter Verfechter dieses Mottos. Ich bin mir aber auch bewusst, dass es „verborgene Kräfte“, wie ich sie gern nenne, gibt, die unser Leben beeinflussen, Gewohnheiten formen und uns zu der Person werden lassen, die wir sind.

Dein Umfeld

Dein Umfeld bestimmt Deine Gewohnheiten mit. Gestalte Dein Umfeld, so dass es die Bildung neuer Gewohnheiten unterstütz.Geht etwas schief, schieben wir die Schuld nur zu gern auf unser Umfeld. Dabei vergessen wir allerdings, dass unser Umfeld uns auch im umgekehrten Fall dabei unterstützen kann, etwas zu tun oder zu unterlassen.

Was ich damit meine?
Du ertappst Dich dabei, dass Du während der Arbeit ständig auf Dein Smartphone schaust und Dich so ablenken lässt? Dann lege es in den Nebenraum, packe es in einen Schrank, schalte es aus.

Beim Mittagessen sind die Augen immer größer als der Magen? Dann nimm Dir einen kleineren Teller, mit dem Du automatisch weniger essen wirst. Du entscheidest!

Unser Umfeld ist wie eine unsichtbare Hand, die unser menschliches Verhalten formt. Zwar glauben wir, unsere Gewohnheiten seien das Produkt aus Motivation, Talent und harter Arbeit.

Und das ist sicherlich nicht falsch, doch vergessen wir, dass unser Umfeld uns stark beeinflusst. So können die allein ungünstige Lebensumstände oder auch finanzielle Einschränkungen verhindern, dass wir/Du unser gesamtes Potenzial ausschöpfen.

Es wird Dir nicht leicht fallen, Dich zu konzentrieren, wenn Dein Stuhl unbequem ist. Wie willst Du organisiert sein, wenn Du Dir kein System für Deine Aufgaben anlegst? Wie kannst Du offene Mitarbeitergespräche führen, wenn Du zu Deinen Angestellten kein gutes Verhältnis hast?

Menschen, die sich mit Leichtigkeit an gute Gewohnheiten halten, haben oft ein Umfeld, das dieses Verhalten fördert. Willst Du Dein Verhalten verändern, dann fange damit an, Deine Umgebung zu verändern. Optimiere Dein Arbeitsumfeld!

Deine Gene / Dein angeborenes Verhalten

Nicht jeder von uns hat die Figur von Usain Bolt und kann die 100 Meter in unter 10 Sekunden sprinten. Goethe war intelligent, keine Frage, doch fehlte ihm mathematisches Verständnis.

Klar, vieles können wir erlernen, doch wir haben alle Stärken und Schwächen, Talente, die uns angeboren sind. Jeder hat irgendwann einmal ein bestimmtes Deck an Karten zugeteilt bekommen und es ist unsere Aufgabe, sie optimal auszuspielen.

Die gute Nachricht: Auch wenn ein Teil unserer Stärken genetisch bedingt ist, so kannst Du doch mit Willenskraft und Leidenschaft (fast) alles erreichen, was Du Dir vornimmst.

Du kannst ein bestimmtes Verhalten trainieren, Du kannst Dir Wissen aneignen und an Deinen Soft Skills, also an Deiner emotionalen Intelligenz arbeiten.

Ein Beispiel:
Friedrich führt ein kleines, fünf Mann starkes IT-Team. Zwar liebt er seinen Job und auch die Herausforderung. Nur fällt es ihm nicht immer leicht, ein guter Manager zu sein. „Von Natur aus“ fiel ihm schon immer das Lesen einer Programmiersprache leichter als das Verstehen von Körpersprache. Zuhören war irgendwie noch nie so sein Ding. Er lässt sich zu leicht ablenken, der Kopf arbeitet immer an irgendeinem mathematischen Problem. Sein Team spürt bei Gesprächen die gedankliche Abwesenheit natürlich und fühlt sich dadurch wenig wertgeschätzt.

Friedrich nimmt sich vor, diesen Zustand zu ändern und arbeitet intensiv an seinen Gewohnheiten und seiner Fähigkeit, den Kollegen zuzuhören. Soft Skills wie diese können erlernt werden und eine Person zu einer besseren Führungskraft, aber auch zu einem besseren Menschen machen.

Deine Einstellung

Worin erkennst Du Dich wieder?

  1. Du weißt, dass Du „von Natur aus“ unorganisiert/faul/leicht zu überreden/… (hier eintragen, was Du von Dir selbst hältst) bist und denkst, das lässt sich nicht ändern.
  2. Du weißt, Du bist zwar im Moment schlecht in Mathe / im Wassertrinken / im Organisieren / im Joggen /…, aber Du denkst, Du packst das und kannst es ändern.

Welche Einstellung Du an den Tag legst – Deine Mentalität spielt beim Bilden neuer Gewohnheiten eine entscheidende Rolle.

Bilden neuer Gewohnheiten ist nur mit der richtigen Einstellung möglich.Normalerweise läuft das Setzen von Zielen so ab:
Ziel: Meetings sollen zukünftig immer pünktlich beginnen.
Aktion: Du speicherst in deinem Kalender eine Erinnerungsnotiz für den Termin ab um nicht so häufig zu spät im Konferenzraum zu erscheinen.
aber:
Du als Persönlichkeit: bummelst gern und verquatschst Dich schnell mal auf dem Gang. So richtig weißt Du gar nicht, warum Du immer zu spät kommst.

Beginne die ganze Sache stattdessen mit der Überlegung „Welche Person will ich werden?“
also:
Person, die ich werden will: immer pünktlich – davon wirst Du nicht abweichen.
Aktion: Du speicherst eine Erinnerungsnotiz in deinem Kalender ab, um nicht wieder zu spät im Konferenzraum zu erscheinen. Es gibt keine Ausreden. Die Kollegen auf dem Gang lässt Du freundlich wissen, dass Du auf dem Weg zum Meeting bist und Dich gerade nicht unterhalten kannst.

Ergebnis: Meetings werden zukünftig immer pünktlich beginnen.

Feedback/Das Ergebnis

Im letzten Punkt ging es um Deine Einstellung, die stimmen muss, wenn Du eine neue Angewohnheit in Dein Leben integrieren möchtest. Was kannst Du aber machen, wenn genau das nicht zu passen scheint?

Zwar willst Du Dich besser organisieren, aber Du fällst immer wieder in Dein altes Muster „Ich lass die E-Mail einfach hier, statt sie in den passenden Ordner zu verschieben“ zurück. Macht der Gewohnheit! Sooo ganz wichtig ist Dir die Sache mit dem Organisieren dann doch nicht.

Eine der Kräfte, die das Formen von Routinen beeinflusst, ist positives „Feedback“. Bemerkst Du also, wie ein aufgeräumter Posteingang Deinem Arbeitsalltag hilft, Dich schneller werden lässt, ändert sich auch Deine Einstellung.

Wir Menschen wollen Ergebnisse sehen. Wir wollen bestätigt werden oder uns einfach nur gut fühlen – was auch immer der Auslöser dafür ist. Willst Du eine neue Angewohnheit einführen, dann ist es wichtig, dass Du Dich jedes Mal belohnst, wenn Du erfolgreich eine Handlung durchgeführt hast.

Achtung: Du musst nicht immer perfekt sein!

Beim Gewohnheiten bilden geht es nicht nur um Ganz oder Gar nicht! Fehler sind erlaubt.

Oft haben wir eine „Ganz-oder-Gar-nicht-Einstellung“.

Ein Beispiel: Franzi führt ein Team von 15 Angestellten. Auf ihrem Schreibtisch herrscht Chaos. Sie hat grundsätzlich mehr Aufgaben, als sie bewältigen kann, und es fällt ihr schwer, auch nur eine davon abzugeben. Es bleiben Stress, Überstunden und am Ende trotzdem das Gefühl, nicht alles geschafft zu haben.

„Das muss sich ändern!“, denkt sie sich und nimmt sich vor, zukünftig jeden Tag etwas zu delegieren, sich also nach und nach frei zu schaufeln und das Abgeben zur Gewohnheit werden zu lassen. Bereits nach fünf Tagen dieses Vorhabens stößt sie auf eine Aufgabe, deren Erledigung sie lieber selbst machen möchte. Sie ringt mit sich. Einfach fix erledigen oder ganz abgeben?
Franzi holt sich eine Kollegin ins Büro, erläutert die Aufgabe und übergibt Teile. Einiges macht sie immer noch selbst.

Ist Franzis Ziel, sich das Delegieren als neue Gewohnheit anzueignen, nun dahin? Nein! Auch wenn Du auf Deinem Weg ein- oder zweimal „abrutschst“, heißt das nicht, dass Du von vorn anfangen oder aufgeben musst. Eine Gewohnheit kann entstehen werden, auch wenn Du nicht immer, nicht jeden Tag perfekt bist.

Wie schaffst Du es, neue Gewohnheiten in Dein Leben zu integrieren?

Du hast in diesem Beitrag von der Gewohnheitsschleife, der Macht der Gewohnheit und den verborgenen Kräften gehört, die Gewohnheiten formen. Wie kannst Du dieses Wissen nun für Dich umsetzen? Wie kannst Du Gewohnheiten ändern?

Dieses Thema ist unglaublich interessant und beeinflusst, wie bereits gesagt, alle Bereiche unseres Lebens. Demzufolge gibt es auch einiges dazu zu sagen. In meinem nächsten Blog-Beitrag werde ich Dir erklären, wie Du all dieses Wissen umsetzt – Gewohnheiten änderst, die abschaffst, die Dich runterziehen und neue einführst, die Dein Leben bereichern.

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