„Sollen sie mich hassen, solange sie mich fürchten“ lautete das Motto des römischen Kaisers Caligula. Wer seinen Befehlen und Regeln nicht Folge leistete, verlor eben auch schnell mal seinen Kopf. Selber schuld! Man hätte sich ja auch anpassen und den Führenden zufrieden stellen können. Die Angst, als nächste seinen Kopf zu verlieren, treibt dich an – motiviert dich gar. Warum spricht eigentlich jeder von Wertschätzung, Empathie und sogar dienender Führung, wenn es doch auch so, mit autoritärer Führung geht?

Was zeichnet einen autoritären Führungsstil aus?

Wird ein Unternehmen (oder ein Land) und dessen Mitarbeiter durch Regeln, Befehle und Kontrolle gesteuert, so spricht man von einem autoritären oder auch hierarchischen Führungsstil. Eine Person, in diesem Fall der Vorgesetzte, leitet alles mit klaren Anweisungen, bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Er gibt nur wenig Verantwortung ab, leitet Informationen nur bedingt weiter und trifft Entscheidungen allein. Alle Aufgaben werden von oben nach unten delegiert.

Ein autoritärer Führungsstil hat einen Vorgesetzten an der Spitze, der von oben nach unten delegiert.

Wahrscheinlich formt sich beim Lesen dieses Textes bereits ein kleiner Protest in deinem Kopf. So arbeiten wir heute nicht mehr! Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert! Stimmt! Der autoritäre Führungsstil, der noch vor Jahrhunderten so beliebt war, hat sich – zumindest flächendeckend – nicht durchsetzen können. Warum? Weil sich ein Terror- oder Unterdrückungs-Regime nur selten lange an der Macht halten konnte. In Unternehmen wird gekündigt, es wird gestreikt, Menschen gehen auf die Straße. Denn am Ende des Tages will keiner von uns ausgelaugt und mit einem nervösen Magen nach Hause gehen.

Auch wenn viele anderer Meinung sind: Leistung ist nicht die Antwort auf Druck.

Ein autoritärer Führungsstil geht davon aus, dass Leistung auf Druck hin folgt.

Wird der autoritäre Führungsstil überhaupt noch angewendet?

Tatsächlich führen nur noch sehr wenige Vorgesetzte autoritär. Unsere Arbeitswelt ist komplexer geworden und egal, wie kompetent jemand ist, wir sind in der Regel auf das Wissen unserer Kollegen angewiesen, nicht zuletzt, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Auch wenn Führungskräfte den autoritären Führungsstil nicht mehr konsequent umsetzen, wird weiterhin Druck als Mittel zum Zweck eingesetzt. Laut einer von der IGS Organisationsberatung veranlassten Studie unter Arbeitnehmern fühlen sich ganze 81,7 Prozent der Befragten täglich massiv unter Druck gesetzt. Viele gaben an, die ständig steigenden Anforderungen würden von der Führungsebene ausgehen. Konkret gehören hierzu Drohungen, stetig steigende Arbeitsbelastung, die zu Überstunden zwingt, fehlende Kommunikation und Mobbing.

„Ach, die sollen sich mal nicht so haben!“, tönt es. „Nur die Harten kommen in den Garten“, „Was dich nicht umbringt, macht dich nur härter.“ Die Parolen kennst du noch aus deiner Kindheit? Tatsächlich geben viele Angestellte dem Druck erst einmal nach. Sie machen Überstunden, schalten auch das Handy am Abend nicht aus, um immer erreichbar zu sein, und schaffen es irgendwie, die unrealistischen Terminvorgaben, die sie erhalten haben, einzuhalten. Lange geht das aber nicht gut. Dieser Leistungsdruck bringt Nebenwirkungen mit sich, die man leicht unterschätzt.

Wirst du respektiert oder gefürchtet?

Ein autoritärer Führungsstil hat einen gefürchteten statt respektierten Vorgesetzten.

Der autoritäre Führungsstil und das Führen durch Druck und Angst wirken sich schnell auf die Mitarbeiterzufriedenheit, die Motivation und die Leistungsbereitschaft aus. Über die Hälfte aller Befragten gaben in der Studie der IGS an, ihre Loyalität dem Unternehmen gegenüber verloren zu haben, da überhöhte Erwartungen an sie gestellt wurden. Wer den Druck nicht mehr aushalten will oder kann, der sucht sich eben einen neuen Job. An wen ständig mehr und mehr Ansprüche gestellt werden, der verliert Vertrauen in die Führungsebene.

Wie genau sieht also die Atmosphäre in diesen Firmen aus, in denen sich die Mitarbeiter vor ihrem Chef fürchten?

In Meetings herrscht Stille. Niemand will etwas fragen, aus Angst, dumm dazustehen; niemand will eine Idee vorbringen, aus Furcht, sofort in der Luft zerfetzt zu werden. Im Flur läuft man wie auf rohen Eiern – nicht auffallen, nicht zu laut sein, nicht widersprechen. Wird dir dann eine neue Aufgabe anvertraut, so kämpfst du dich lieber durch die alten Dokumente, statt noch einmal nachzufragen. Dir werden nur selten alle Informationen gleich seitens des Delegierenden mitgeteilt. Zwar weißt du, dass es gut ist, wenn neben der Abrechnung ein grünes Plus steht. Was mit dem Profit geschieht, wurde dir aber nie mitgeteilt. Mittlerweile ist es dir auch egal. Du arbeitest, um Geld zu verdienen, nicht, um dich für ein gemeinsames Ziel einzusetzen. Dafür hast du weder die Kraft noch die Zeit. Schließlich bist du damit beschäftigt, dir den Rücken frei und den Kopf unten zu halten. Abends gehst du erschöpft nach Hause und es dauert eine ganze Weile, bis du dieses nervöse Gefühl abschütteln kannst. Morgen ist ein neuer Tag!

Diese Vorstellung klingt wirklich nicht attraktiv, oder? Und sie kann bittere Folgen für das Unternehmen, aber auch die Gesundheit des Einzelnen haben.

Woran erkennst du einen Vorgesetzten, der Druck als Führungsmittel einsetzt?

Ein autoritärer Führungsstil lässt sich oft auf den Charakter und die Selbstwahrnehmung des Vorgesetzten zurückführen. Er oder sie hat unter Umständen kein starkes Selbstbewusstsein und ist im Umgang mit anderen eher unsicher. Diese Unsicherheiten geben Führungskräfte dann an die Mitarbeiter weiter und hoffen, sie dadurch verstecken zu können. Während sie versuchen, die Kontrolle zu behalten, überprüfen sie Ergebnisse streng und legen großen Wert auf Zahlen und Prozesse, auch wenn diese Vorgehensweise nicht sinnvoll ist.

Viele zweifeln die eigene Kompetenz an und fürchten, ihren Posten zu verlieren, wenn sie andere nicht „klein“ halten. Aus diesem Grund wird bereits im Einstellungsgespräch versucht zu erkennen, wie selbstbewusst der potenzielle neue Mitarbeiter ist. Man will sich schließlich keine Konkurrenz ins Haus holen.

Zwar sind viele Manager, die autoritär führen, fachlich sehr kompetent und doch hapert es an der emotionalen Intelligenz. Wer die Gefühle anderer wahrnimmt und versteht, dem fällt es leichter, Beziehungen aufzubauen. Diese führen wiederum zu effizienter Zusammenarbeit im Team und dem Aufbau von Vertrauen. Genau hier liegt der Knackpunkt: Vertrauen kann ein Mittel gegen Angst sein. Das gilt für beide Seiten.

Die Merkmale einer gefürchteten Führungskraft und auch die Nachteile eines autoritären Führungsstils findest du noch einmal zusammengefasst in der folgenden Infografik.

Autoritäter Führungsstil Infografik - Was unterscheidet eine autoritären Führungskraft von einer anderen?

Vertrauensvorschuss: Vertraue auf die Leistungsfähigkeit deiner Mitarbeiter

Der autoritäre Führungsstil geht unterbewusst von der Annahme aus, dass Angestellte Kontrolle und klare Anweisungen brauchen, um produktiv zu sein. Wird ein neuer Mitarbeiter eingestellt oder erhält jemand eine neue Aufgabe, so herrscht erst einmal Misstrauen. Wer weiß denn schon, ob die Kollegen den neuen Anforderungen gewachsen sind? Wahrscheinlich sind sie es nicht!

Auch der digitale Wandel macht es autoritären Führungskräften nicht einfacher, über alles und jeden die Kontrolle zu behalten. Mitarbeiter fordern flexible Arbeitszeiten und möchten im Homeoffice oder in Teilzeit arbeiten – ohne Vertrauen ist das nicht möglich. Zu genau diesem Thema hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine Studie veröffentlicht, welche auf den Zahlen der European Working Conditions Survey basiert. Danach nimmt die Mitarbeiterzufriedenheit ab, je stärker das Arbeitstempo kontrolliert wird. Sechs von zehn Angestellten geben an, mit ihrem Job sehr unzufrieden zu sein, weil sie unter Druck gesetzt werden.

Wer seinen Mitarbeitern nicht vertraut, der kann nicht erwarten, dass sie mutig ihre Ideen vorbringen und mit vollem Einsatz für das Unternehmen tätig werden (wollen). Gibt man Angestellten aber einen Vertrauensvorschuss, Vertrauen, das sie sich nicht erst erarbeiten müssen, so werden sie versuchen, diesem gerecht zu werden.

Fazit:

Führe nicht wie der römische Kaiser Caligula! Sei nicht derjenige, der seine Mitarbeiter an der kurzen Leine hält! Wir alle suchen nach Arbeitsglück und dieses Gefühl haben wir nur, wenn wir mit intrinsischer Motivation an etwas arbeiten, das für uns Sinn ergibt. Nimm dich also selbst nicht zu ernst, lerne deine Unsicherheiten kennen und gib sie zu!

Zeige Interesse an Deinen Mitarbeitern, finde heraus, was deren Stärken sind und schenke ihnen Vertrauen.

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