Stresssymptome, auf die du unbedingt achten solltest

Stresssymptome: Uhr über einer Friedhofsmauer und einem Strand zeigt 5 Min vor 12 an

5 vor Burnout oder 12 Stresssymptome, auf die du unbedingt achten solltest!

In einem Unternehmen in Hamburg: Karl Müller* aus dem Projektbüro arbeitet täglich rund zwölf Stunden. Er fühlt sich völlig ausgebrannt und erschöpft. ‚Aber nur die Harten kommen in den Garten‘, denkt er sich und macht in gewohnter Weise weiter, ohne auf die Stresssymptome zu achten.

Seine Kollegin Frida Hansen* sucht dringend einen Krippenplatz für ihre dreijährige Tochter und weiß in der Zwischenzeit nicht, wie sie Arbeit und Familienleben unter einen Hut bringen soll.

Diese Frage stellt sich für Kollege John Petersen* aus der Buchhaltung nicht mehr: Nach monatelangen großen Eheproblemen ist seine Frau mit den drei Kindern kürzlich ausgezogen, sie will sich scheiden lassen. Petersen findet seitdem keine Ruhe. Er kann nicht mehr schlafen, hat abgenommen, seine Gedanken kreisen nur noch um die Trennung …

Das sind doch alles Privatangelegenheiten der Mitarbeiter? Die Antwort ist: Keineswegs!

(*Ort und Namen sind vom Autor frei erfunden)

 

Private Probleme können schnell zu Personalproblemen werden

„Jegliche privaten Probleme“ verhindern konzentriertes Arbeiten. Persönliche Probleme der Mitarbeiter können sich schnell zu Personalproblemen für das Unternehmen wandeln.

Doch jede Krankheit hat ihre Vorgeschichte und so ist es auch mit dauerhaften Erschöpfungszuständen und Burn-out. Zu weitverbreiteten Erschöpfungszuständen kam es bereits etwa während der Industrialisierung. Zu einer Zeit also, in der sich Lebens- und Arbeitsbedingungen – ähnlich wie heute – in einem gravierenden Wandlungsprozess befanden. Der Begriff Burn-out tauchte erstmals Mitte der 1970er-Jahre auf; damals im Kontext häufiger Erschöpfungsleiden in sozialen Berufen. Der amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger beschrieb das Syndrom als eine Folge übermäßigen Stresses in Arbeitsbereichen mit hoher emotionaler Belastung.

Das Thema Gesundheit in Einklang mit den täglichen Anforderungen zu bringen, ist meist vor allem für Personen in verantwortungsvollen Positionen, also für Führungskräfte und Selbstständige, ein nicht leicht zu meisternder Balanceakt. Umso wichtiger ist es, sich differenziert mit Stressquellen und Präventionsmöglichkeiten auseinanderzusetzen.

 

Ein Burn-out kommt nicht über Nacht

Wie gesagt: Dauerhafter Stress oder ein Burn-out kommen nicht über Nacht, sondern sind ein schleichender Prozess. Diesen schauen wir uns in diesem Beitrag etwas genauer an.

Stresssymptome: 12 Burnoutphasen auf einer Uhr dargestelltPhase 1: JA! Ich schaffe das!

Erinnerst du dich noch an Karl Müller (falls nicht, siehe bitte oben) aus dem Projektbüro? Als Karl in dem Unternehmen seinen Arbeitsvertrag unterschrieb, war er der Meinung, seinen Traumjob gefunden zu haben. Einen Job mit vielen Handlungs- und Entscheidungsfreiheiten. Neben der außergewöhnlich guten Bezahlung standen auch glänzende Karrieremöglichkeiten in Aussicht. Also stürzte er sich hoch motiviert in die Fachliteratur, besuchte Seminare und war immer vorne dabei, wenn es um Arbeitseinsatz ging. Er hatte ständig neue Ideen, verpasste keine Besprechung und war voller Engagement für das Unternehmen. Selbstverständlich bekam er für seinen außerordentlichen Einsatz viel Lob von seinen Vorgesetzten. Nimm es mir nicht übel, aber ich wette, du und ich wären genau so. 🙂

Stresssymptome in dieser Phase: Du fühlst dich großartig, voller Energie und hoch motiviert.

Phase 2: Ich bin unverwundbar!

All die Anstrengungen von Karl hatten sich gelohnt. Er wurde für die Leitung eines sehr wichtigen Projektes vorgeschlagen. Wow! Er hatte allen gezeigt, was in ihm steckt, und die „Weicheier“ von internen Konkurrenten weit hinter sich gelassen. Er war so glücklich, stolz und zufrieden mit sich. Er hatte sogar das Gefühl, dass sein Erfolg irgendwie sexuell anziehend auf das andere Geschlecht wirkte. Er wollte mehr! Mehr Anerkennung, mehr Macht, mehr Geld, mehr Wissen, mehr Einfluss – mehr, mehr…

Das Belohnungszentrum in seinem Gehirn lief auf Hochtouren und es schien unersättlich.

Stresssymptome in dieser Phase: Du fühlst dich großartig und bist auf dem Höhepunkt des Erfolges.

Phase 3: Ich werde überall gebraucht!

Karl fand überall Anerkennung. Nicht nur bei Vorgesetzten und Kollegen, sondern auch bei Freunden und seiner Familie. Alles klappte wie am Schnürchen und das Leben auf der Überholspur könnte ewig so weitergehen. Erholung oder mal nichts zu tun ist nur etwas für Verlierer. Deshalb war er auch während seines Urlaubs mit der Familie immer erreichbar. Und wenn das Telefon mal nicht klingelte, dann rief er halt seine Kollegen an, um sich nach Neuigkeiten und dem aktuellen Projektstatus zu erkundigen. Neben einem gesteigerten Kaffeekonsum und manchmal einem guten Gläschen Wein (oder auch zwei) zur Entspannung lief doch alles gut. Sein Leben bestand zwar nur aus Aktivitäten, die in Verbindung zur Arbeit standen, auch in der Freizeit. Aber so ist es nun einmal, wenn man/frau unverzichtbar ist.

Stresssymptome in dieser Phase: Du genießt deine vielen Verpflichtungen und das Gefühl, unverzichtbar zu sein und überall gebraucht zu werden.

Phase 4: Ich habe doch kein Problem…

Ach, das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht immer das Genörgel von seiner Frau und den Kindern wäre. Immer wieder werfen sie Karl Desinteresse an der Familie vor und fühlen sich nicht richtig verstanden. Und das alles, weil er es nicht pünktlich zum Fußballspiel seines Sohnes geschafft hat. Wenn die wüssten, was so ein Überflieger wie Karl alles leisten muss. Auch seine Freunde haben sich schon längst zurückgezogen und ihren Platz mit Kollegen und Geschäftspartnern getauscht. Genervt zog sich Karl immer mehr in seine Arbeit zurück, denn hier bekam er noch die gewünschte Anerkennung. Aber auch hier reagierte er zunehmend gereizter, wenn etwas nicht seinen Vorstellungen entsprach.

Symptome in dieser Phase: Du reagierst zunehmend gereizter auf deine Umwelt und zeigst wenig Verständnis für die Belange deiner Mitmenschen.

Phase 5: Für mich zählt nur Höchstleistung!

Mittelmaß ist ein Grund, sich zu schämen! Dieser Spruch stand eingerahmt auf dem Schreibtisch von Karl. Für ihn zählte nur eines: Höchstleistung! Deshalb hatte er auch keine Lust auf die ewigen Diskussionen mit seiner Frau und den Kindern. Für all diese Kleinigkeiten war ihm nun seine kostbare Zeit wirklich zu schade. Lieber verbrachte er seine Wochenenden im Büro. Hier hatte er wenigstens seine Ruhe und wurde nicht von den spielenden Kindern gestört. Ach ja… Die kleinen Flüchtigkeitsfehler, die in letzter Zeit passierten, waren doch vollkommen normal bei dem Arbeitspensum. Und die Schlafstörungen? ‚Na wozu gibt es wohl Schlafmittel‘, dachte sich Karl. Warum sollte so ein Kinderkram Einfluss auf seine Leistung haben? Schließlich ist er Karl Müller, der personifizierte Inbegriff für Höchstleistung. Und all die Jammerlappen mit ihren Problemchen sollten sich schämen. Kein Wunder, dass die nicht vorankamen.

Stresssymptome in dieser Phase: Du fühlst dich als der Macher und unfehlbar. Dein Vokabular gegenüber anderen tendiert immer mehr zur Geringschätzung.

Phase 6: Ich befinde mich im Krieg!

Karl erlebte seine Umwelt immer stärker als eine Art Kriegsschauplatz. Hier durfte man sich keine Fehler erlauben. Wenn andere Fehler machten, musste hart durchgegriffen und Stärke gezeigt werden. Kein Wunder, dass er in dieser Zeit auch erste körperliche Probleme bekam. Neben der ständigen Müdigkeit kämpfte er immer öfter mit Kopfschmerzen. Auch sein Körpergewicht veränderte sich aufgrund der ungesunden Ernährung dramatisch. So erlebten ihn seine Kollegen als einen ungeduldigen, schlecht gelaunten und intoleranten Menschen. Aber Karl funktionierte noch gut und konnte seine gewohnte Leistung durch Erfahrung, Routine und extrem viele Überstunden aufrechterhalten.

Stresssymptome in dieser Phase: Du fühlst eine Art Ratlosigkeit in dir aufsteigen und in stillen Momenten macht sich ein Gefühl von einer nicht greifbaren Angst breit.

Phase 7: Rückzug

Zitternd saß Karl Müller hinter seinem Schreibtisch. Hatte er doch gerade seinen Kollegen John Petersen aus heiterem Himmel lauthals beschimpft und angebrüllt, sodass andere Kollegen dazwischengehen mussten. Eigentlich war er mit sich selbst unzufrieden gewesen, denn er spürte seinen deutlichen Leistungsabfall, und da lagen seine Nerven nun mal blank. Zumal seine Frau mit den Kindern zu ihren Eltern gezogen war. Das erste Mal fühlte Karl sich stark verunsichert. Immer häufiger versuchte er, dem inneren Druck mithilfe von Alkohol zu entkommen. Trotz der gelegentlichen Panikattacken blockte Karl soziale Kontakte ab. Was sollten die anderen auch von ihm denken, wenn er Schwächen zugab? Unmöglich! Vielleicht wäre ein kurzfristiger Urlaub die Lösung seiner Probleme?

Symptome in dieser Phase: Du spürst zwar, dass deine Leistung schwindet und du mit Konzentrationsproblemen zu kämpfen hast, mobilisierst aber sämtliche Reserven, um das nicht zu zeigen.

Phase 8: Ich bekomme das schon wieder in den Griff!

Leider brachte der kurzfristig angesetzte Urlaub nicht die gewünschte Erholung. Karl hatte das Gefühl, dass seine innere Batterie nicht mal ansatzweise wieder aufgeladen war. Aber er war besessen von dem Gedanken, der Welt zu zeigen, was für ein großartiger Macher er doch war. Dieses tägliche Theaterspiel kostete ihn viel Kraft und Energie. Dabei hatten schon längst alle bemerkt, dass Karls Leistung merklich nachgelassen hatte, er Fehler machte und auf Fragen oftmals unangemessen gereizt reagierte. Wohlwollende Hinweise wurden von ihm missachtet und sogar als Bedrohung wahrgenommen.

Stresssymptome in dieser Phase: Du fühlst dich ständig überfordert, hältst aber trotzdem an der Überzeugung fest, nicht nachlassen zu dürfen und dass alles wieder ins Lot kommt.

Phase 9: Ich habe meine Persönlichkeit verloren.

Wo waren die einstige Identität von Karl und seine Werte geblieben? Sein Familienleben existierte nicht mehr. Er war schon lange nicht mehr der Mensch voller Lebensfreude und Energie. Karl spürte, dass sein Leben ihm aus den Fingern glitt und er es nicht kontrollieren konnte. Es machte sich eine Angst in ihm breit und er war im Grunde nicht mehr arbeitsfähig und hätte sich fachärztlich behandeln lassen müssen.

Stresssymptome in dieser Phase: Du fühlst dich unendlich müde und ängstlich. Die Welt erscKarlt zunehmend trostlos und grau.

Phase 10: Ist mir doch egal!

Alleine das morgendliche Aufstehen, Waschen und Zähneputzen kosteten Karl unendlich viel Kraft. Er fühlte sich innerlich leer und wie in einem Hamsterrad gefangen. Irgendwie war ihm alles egal. Schon lange sah er in seinem Job keine Herausforderung mehr. Um überhaupt etwas zu spüren, stürzte er sich hin und wieder in ein sinnloses Abenteuer, aber die innere Leere hatte in fest im Griff.

Stresssymptome in dieser Phase: Du fühlst dich innerlich leer und gefühlslos.

Phase 11: Ich falle in das tiefe schwarze Loch.

Karl war verzweifelt und sah keinen Sinn mehr im Leben. Warum auch? Er hatte doch alles verloren! Immer häufiger wurde er von Suizidgedanken heimgesucht.

Stresssymptome in dieser Phase: Du fühlst dich verloren und schätzt deine Lage als absolut hoffnungslos ein. Zudem beschäftigst du dich immer öfter mit Suizidgedanken.

Phase 12: Der totale Zusammenbruch

Gott sei Dank wurde Karl Müller von seinem Umfeld nicht aufgegeben und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Er brauchte Monate, bis er sich so weit erholt hatte, dass er überhaupt therapiefähig war. Viele weitere Monate vergingen, bis er wieder ans Arbeitsleben herangeführt werden konnte.

Heute hat Karl Müller gelernt, seine Grenzen wahrzunehmen und besser auf sich zu achten. Er führt wieder ein glückliches Leben mit seiner Familie und ist beruflich erfolgreicher denn je.

 

Treffen diese Stresssymptome nur auf Manager zu?

Natürlich ist das nur ein Beispiel, wie die unterschiedlichen Burn-out-Phasen ablaufen könnten. Sie könnten sich auch überschneiden oder einzelne übersprungen werden. Es muss auch nicht immer der hoch motivierte Managertyp sein, der ausbrennt. Es kann ebenso gut Lehrer, Angestellte oder Studenten treffen: im Grunde genommen jeden, der seine eigenen Grenzen nicht akzeptiert und nicht rechtzeitig gegensteuert.

Ich wünsche dir eine entspannte Zeit

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Dein Saleh Amiralai

About The Author

Saleh Amiralai

Dipl.-Ing. Saleh Amiralai ist Führungskräftecoach und Chief Happiness Officer. Schwerpunkt seiner Expertise sind die Themen „Positive Leadership“ und „Mitarbeiterzufriedenheit & Arbeits-glück“. Hierbei unterstützt er Unternehmen und Führungskräfte dabei, ihre Führungsaufgabe wirksamer zu gestalten, um innerhalb kürzester Zeit bessere Ergebnisse zu erzielen.

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