Das Hochstapler-Syndrom führt dazu, dass Personen ihre Leistungen anzweifeln und befürchten, von anderen als Hochstapler beziehungsweise unwissend und unfähig angesehen zu werden. Die Erkrankung kann jeden Menschen betreffen, unabhängig von den Arbeitsbedingungen oder dem sozialen Status. Psychologen haben das Syndrom erstmals 1978 beschrieben. Forschungen aus dem Jahr 2011 zeigen, dass etwa 70 Prozent aller Menschen in ihrem Leben mindestens eine Art des Hochstapler–Syndroms selbst erfahren.

Bei vielen Menschen treten die Symptome nur für eine begrenzte Zeit auf, z.B. in den ersten Wochen einer neuen Arbeitsstelle. Andere kämpfen ihr ganzes Leben lang mit dem Gefühl der eigenen Inkompetenz.

Was sind die Symptome des Hochstapler–Syndrom?

Ein gesunder Selbstzweifel kann einer Person helfen, eine realistische Einschätzung der eigenen Leistungen, Kompetenzen und Fähigkeiten vorzunehmen. Wenn das Gefühl des Zweifels jedoch zu stark ausgeprägt ist, kann es schwierig bis unmöglich sein, sich selbst realistisch einzuschätzen. Dies kann zu Symptomen der Bedrängnis, Angst und Unsicherheit führen, die das Hochstapler-Syndrom kennzeichnen.

In einem Teufelskreis stecken bleiben

Erfolg schafft einen kontinuierlichen Kreislauf von Selbstzweifeln bei Menschen mit dem Impostor Syndrom. Jedes Mal, wenn etwas erreicht wurde, steigt die Sorge, dass andere die eingebildete „Wahrheit“ über ihre Fähigkeiten entdecken und damit die bisherigen Leistungen nichts mehr wert sind.

Personen mit dem Hochstapler-Syndrom leugnen ihre Kompetenz. Sie haben oft das Gefühl, dass der Zufall oder externe Faktoren hinter ihren Erfolgen stehen. Außerdem glauben sie, dass sie für den gleichen Erfolg viel härter arbeiten müssen, da ihnen die eigenen Fähigkeiten nicht ausreichen.

Unzufriedenheit im Beruf

Menschen mit dem Syndrom fühlen sich in ihrem Beruf unglücklich und besitzen große Selbstzweifel, die von außen betrachtet vollkommen unbegründet sind. Die Angst vor dem Versagen hält sie davon ab, sich um Beförderungen oder zusätzliche Verantwortung zu bemühen.

Menschen mit dem Hochstapler-Syndrom neigen dazu, in ihren Positionen und Verantwortungsbereichen zu verharren, weil sie nicht glauben, es besser machen zu können. Sie untergraben ihre eigenen Fähigkeiten und vermeiden Gespräche über Gehaltserhöhungen oder der eigenen Rolle im Unternehmen.

Übertriebene Aufgaben und Zielvorgaben

Die eingebildete Notwendigkeit, der Allerbeste zu sein, und intensive Angst vor dem Scheitern kann dazu führen, dass Menschen bei der Erfüllung bestimmter Aufgaben überfordert sind. Man setzt sich automatisch Ziele, die eigentlich gar nicht erreicht werden können, und ist dann umso enttäuschter, wenn diese wirklich verfehlt werden. Dieser Teufelskreis steigert sich immer weiter, da das nächste Mal ein noch höheres Ziel gesetzt wird, um das vorherige Scheitern auszugleichen.

Die verschiedenen Typen

Der Perfektionist

Der Perfektionist ist ein Paradebeispiel für das Impostor Syndrom. Er setzt sich zu hohe Ziele, und wenn er ein Ziel nicht erreicht, führt das zu großen Selbstzweifeln, die zum einen innere Unzufriedenheit mit sich bringen, zum anderen zu einer noch weiter erhöhten Erwartungshaltung in der Zukunft führen.

Könnte das auf dich zutreffen? Stelle dir diese Fragen:

  • Wurdest du jemals beschuldigt, ein Mikromanager zu sein?
  • Hast du große Schwierigkeiten beim Delegieren? Selbst wenn du dazu in der Lage bist, fühlst du sich enttäuscht und frustriert von den Ergebnissen?
  • Wenn du ein, meist viel zu hoch angesetztes, Ziel nicht erreichst, wirfst du dir dann vor, „nicht für deinen Job geschaffen“ zu sein, und grübelst tagelang darüber nach?
  • Hast du das Gefühl, dass deine Arbeit zu jeder Zeit 100%-ig perfekt sein muss?

Für diese Art von Menschen ist Erfolg selten zufriedenstellend, weil sie glauben, sie könnten es noch besser machen. Aber diese Einstellung ist weder gesund, noch produktiv. Das Anerkennen und Schätzen von Leistungen ist wesentlich, Selbstvertrauen aufbauen und Burnout vermeiden möchtest.

Lerne, deine Fehler zu akzeptieren und an ihnen zu wachsen. Zwinge dich, das Projekt zu beginnen, das du seit Monaten planst. Die Wahrheit ist, dass es nie den „perfekten Zeitpunkt“ geben wird und dass deine Arbeit nie zu 100% fehlerfrei sein wird. Je früher du in der Lage bist, das zu akzeptieren, desto besser wird es für dich sein.

Das natürliche Genie

Junge Leute mit diesem Syndrom glauben, dass sie ein natürliches „Genie“ sind. Als solche beurteilen sie ihre auf Kompetenz basierende Leichtigkeit und Geschwindigkeit im Gegensatz zu ihren Bemühungen. Oder um es einfacher zu formulieren: Braucht das Genie länger, um etwas zu lernen oder anzuwenden, erzeugt das extreme Frustration und UNzufriedenheit, da davon ausgegangen wird, alles sofort richtig und perfekt zu können.

Diese Art von Menschen setzt ihre interne Messlatte unmöglich hoch, ähnlich einem Perfektionisten. Genietypen beurteilen sich selbst nicht nur aufgrund lächerlich hoher Erwartungen, sondern auch, weil sie die Dinge in der Regel beim ersten Versuch richtig machen. Wenn das einmal nicht der Fall ist, schlägt der Kopf sofort Alarm und es kommen Selbstzweifel auf.

Trifft das auf dich zu?

  • Du bist es gewohnt, ohne große Anstrengung hervorragende Leistungen zu erbringen?
  • Du hast eine Erfolgsgeschichte, in der du in allem, was du tust, „glatte Einser“ oder „goldene Sterne“ bekommen hast?
  • Wurde dir als Kind oder junger Erwachsener häufig mitgeteilt, dass du der „Kluge“ in der Familie bist?
  • Missfällt dir die Vorstellung, einen Mentor zu haben, weil du die Dinge allein bewältigen kannst?
  • Wenn du mit einem Rückschlag konfrontiert wirst, sinkt dein Selbstvertrauen, weil du dich schämst wenn du nicht gut arbeitest?
  • Meidest du oft Herausforderungen, weil es dir unangenehm ist, etwas auszuprobieren, was du nicht gut kannst?

Um dies zu überwinden, solltest du versuchen, dich selbst als eine noch nicht abgeschlossene Aufgabe zu sehen. Um Großes zu erreichen, muss man lebenslang lernen und seine Fähigkeiten ausbauen. Anstatt sich selbst zu verurteilen, wenn unmöglich hoch angesetzte Standards nicht erreicht werden, solltest du spezifische, veränderbare Verhaltensweisen identifizieren, die du mit der Zeit verbessern kannst.

Die Überfrau/der Übermann

Da Menschen, die an diesem Phänomen leiden, davon überzeugt sind, dass sie der Underdog unter allen Kollegen sind, zwingen sie sich sehr oft dazu, immer härter zu arbeiten, um sich zu messen. Dies ist allerdings nur eine auf Dauer schädliche Vertuschung der eigenen Unsicherheiten, welche auf Dauer nur der eigenen psychischen Gesundheit, sondern auch den Beziehungen zu anderen schaden kann.

Dieses Phänomen könnte auf dich zutreffen, wenn bei dir folgende Dinge öfters auftreten:

  • Bleibst du auch dann noch im Büro, wenn die notwendige Arbeit an diesem Tag bereits erledigt ist und das komplette Team schon weg ist?
  • Bist du gestresst, wenn du nicht arbeitest, und empfindest die Ausfallzeit als völlig verschwenderisch?
  • Hast du sowohl Leidenschaften, als auch Hobbys, auf der Strecke gelassen und der Arbeit geopfert?

Hast du das Gefühl, dass du deinen Titel nicht wirklich verdient hast (trotz zahlreicher Abschlüsse und Leistungen), sodass du sich gezwungen fühlst, härter und länger zu arbeiten als die Menschen um dich herum, um deinen Wert zu beweisen?

Personen mit dem impostor Syndrom sind tatsächlich eher süchtig nach der Bestätigung, die man von den Kollegen und dem Chef erhält, und weniger nach der Arbeit an sich. Fange an, dich selbst positiv zu bewerten, um von der externen Validierung abzuschalten, niemand kann dir besser ein gutes Gefühl geben als du selbst. Andererseits solltest du lernen, konstruktive Kritik sachlich anzunehmen, nicht persönlich.

Der Solist

Solisten haben das Gefühl, nicht um Hilfe bitten zu können, da sie damit ihre eigene Schwäche gegenüber eingestehen und dies die inneren Unsicherheiten bestätigt und immer weiter befeuert. Es ist vollkommen okay, wenn andere einen um Rat bitten, aber man selbst darf sich nicht eingestehen, in einer Situation auf eine andere Person angewiesen zu sein.

Folgende Dinge zeichnen einen Solisten aus:

  • Hast du das feste Gefühl, dass du Dinge ausschließlich selbstständig erledigen musst?
  • „Ich brauche von niemandem Hilfe.“ Hört sich das nach dir an?
  • Richtest du deine Anfragen eher nach den Anforderungen des Projekts als nach deinen eigenen Bedürfnissen?

Der Experte

Experten messen ihre Kompetenz daran an der Art und Menge ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten. Sie sind überzeugt, dass sie nie genug wissen, und fürchten, als unerfahren oder unwissend entlarvt zu werden, was in einem Teufelskreis große Selbstzweifel auslösen kann. Der Experte fühlt sich immer nur sicher, wenn er sich selbst sicher ist, zu 100% über ein Thema Bescheid zu wissen.

Folgende Fragen können dazu beitragen, herauszufinden, ob du zu dieser Person Mensch gehörst:

  • Scheust du dich davor, dich auf Stellenausschreibungen zu bewerben, wenn du nicht jede einzelne Bildungsvoraussetzung erfüllst?
  • Suchst du ständig nach Ausbildungen oder Zertifizierungen, weil du glaubst, dass du deine Fähigkeiten verbessern musst, um erfolgreich zu sein?
  • Selbst wenn du schon einige Zeit in deiner Funktion tätig bist, hast du das Gefühl, immer noch nicht „genug“ zu wissen?

Es stimmt, dass man sich im Leben und in einzelnen Bereichen immer weiter fortbilden kann. Aber wenn man es zu weit treibt, kann die Tendenz, sich immer mehr Informationen zuaneignen zu müssen, tatsächlich in Wahrheit eine Form des Stillstands sein.

Das Prinzip, was der Experte sich aneignen sollte, ist das Just-in-time-Lernen. Das bedeutet, dass du dir eine Fähigkeit dann aneignest, wenn du sie brauchst, z.B. wenn sich deine Verantwortlichkeiten ändern oder neue Aufgaben auf dich zukommen. Es bringt absolut nichts, sich so viel wie möglich nur des Lernens willen anzueignen.

Mach dir klar, dass es keine Blamage ist, Hilfe zu suchen, wenn du sie brauchst. Wenn du nicht weißt, wie du etwas tun sollst, frage einen Arbeitskollegen.

Ganz gleich, welches Profil vorliegt, wenn du mit dem Selbstvertrauen kämpfst, bist du weit davon entfernt, allein zu sein. Studien zeigen, dass 70% der Menschen irgendwann in ihrer Karriere das Impostor Syndrom am eigenen Leib erleben.

Wenn du zu irgendeinem Zeitpunkt in deiner Karriere deine Leistungen schon einmal dem Zufall, Verbindungen oder einem beliebigen externen Faktor zugeschrieben hast und nicht dir selbst, sei gesagt, dass es unfair deinen eigenen Fähigkeiten gegenüber ist, deine Erfolge nicht dir selbst zuzuschreiben. Du hast diese Leistungen erbracht, und darauf kannst du stolz sein.