Was hat agiles Mindset mit nur „richtig wollen“ zu tun? Nun ganz einfach…

„Du musst das nur richtig wollen. Auf deine Einstellung kommt es an!“ – Wer hat diesen Spruch als Kind nicht gehört? Augenrollend drehst du dich von den Eltern weg und den Hausaufgaben wieder zu. Die Matheaufgabe ließ sich durchs „richtig wollen“ immer noch nicht lösen.

Wenige Jahre später, dein erster Job: Du füllst die Regale des heimischen Supermarktes auf. Erst die Gurken, dann die Milch, dann die Einwegrasierer, dann die Tomaten. Kurz überlegst du, wie viel schneller du doch wärst, würdest du erst das gesamte Gemüse einräumen, dann die Milchprodukte und später die Hygieneartikel. Der Gedanke verfliegt ganz schnell wieder. Die Anweisungen sind klar und hinterfragen ist nicht erwünscht.

Den ausgetretenen Pfaden zu folgen ist einfacher, als neue Wege zu finden. Und was kümmert es dich überhaupt? Am Ende des Monats bekommst du so oder so dein Geld. Diese Einstellung zieht sich durch dein Berufsleben. Plötzlich wird alles anders. Plötzlich ist von Agilität die Rede, von Eigenverantwortung, von Innovation. Es werden neue Konzepte und Strukturen eingeführt. Projekte werden in Scrums organisiert und dauern statt sechs nur noch drei Monate, Ziele ändern sich und neue Software findet den Weg in die neuen, modernen Arbeitslaptops. Im Meeting spricht plötzlich nicht mehr nur die Führungskraft, sondern jeder soll „out-of-the-box“ denken und sich kreativ beteiligen. Kommt deine Einstellung da noch hinterher? Lebst du bereits das agile Mindset, das von dir eingefordert wird?

Ein agiles Mindset ist gefragt, um die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt zu meistern.

Was verstehen wir eigentlich unter „Mindset“?

Jeder von uns hat eine andere Vergangenheit. Ich habe nicht das gleiche erlebt wie du und du hast wiederum andere Erfahrungen gemacht, als deine Kinder machen werden. Die Summe und Wechselwirkung unserer Werte, Prinzipien, Glaubenssätze und Erinnerungen bestimmt, wie wir in einer Situation denken. Was wir denken, das entscheidet wiederum darüber, wie wir uns verhalten.

Unsere Gedanken – und infolgedessen unsere Handlungen – sind demnach gewissermaßen voreingestellt. Genau hieraus lassen sich die beiden Begriffe herauslesen, aus denen das Wörtchen agiles Mindset zusammengesetzt ist: Mind, also unser Verstand, und Set, also die Zusammenstellung. Oder anders formuliert: „integrierte Denk- und Handlungslogik“.

Das Mindset eines jeden Menschen sieht anders aus und dient für jeden von uns als eine Art Filter, durch den wir die Realität betrachten. Sind du und ich in derselben Situation, bedeutet das noch lange nicht, dass wir diese gleich interpretieren und dieselben Entscheidungen treffen.

Fixed vs. Growth Mindset

Auch wenn ich soeben von deinem Mindset als deine „Voreinstellung“ sprach, meine ich damit nicht, dass du verdammt bist, für immer so zu denken, wie du es genau jetzt, in diesem Moment, tust. Das sieht aber nicht jeder so.

Laut der Stanford Professorin Carol Dweck können wir zwei Arten des Mindset unterscheiden: Das Fixed und das Growth Mindset.

Fixed Mindset oder statisches Mindset

Viele Menschen sind der Meinung, ihnen sei von Geburt an ein festgelegtes Blatt an Spielkarten zugeteilt worden. Einige Karten sind gut und einige weniger prickelnd, aber das Blatt neu zu mischen scheint nicht möglich. Wer dieses Mindset hat, der sagt sich: „Ich bin, wie ich bin. Ich kann daran eh nichts ändern.“ Diese Einstellung erzeugt das Gefühl, etwas Höherem oder aber sich selbst ausgeliefert zu sein.

Ein agiles Mindset kann kein statisches oder Fixed Mindset sein.

Growth Mindset oder Dynamisches Mindset

Wer sich selbst als dynamisch und entwicklungsfähig sieht, der hat ein Growth Mindset. Fehler und Feedback werden als Chance zur Weiterentwicklung gesehen und Herausforderungen sind nur allzu willkommen. Die Karten, die einem zur Geburt ausgehändigt wurden, sind eine Art Leitfaden, aber über den Ausgang des Spieles entscheiden sie nicht.

Ein agiles Mindset ist auch immer ein dynamisches oder Growth Mindset.

Was erfordert die neue Arbeitswelt?

In der alten Arbeitswelt und in manchen Berufsfeldern war ein statisches Mindset nicht unbedingt hinderlich. Ganz im Gegenteil! Viele Führungskräfte sind heute in ihrer Position, weil sie sich stets an die Regeln gehalten und immer alles „richtig“ gemacht haben. Sie haben stets den Anweisungen gefolgt und sich informiert, welche Fehler unbedingt vermieden werden sollten. Natürlich hat nicht jeder der hier beschriebenen Führungskräfte ein Fixed Mindset, aber alte Strukturen haben das Aufkommen neuer Ideen teilweise gar nicht zugelassen und jeden, der kreativ werden wollte, unterdrückt.

Heute sieht der ideale Mitarbeiter und der perfekte Vorgesetzte anders aus. Agil, also veränderlich soll er sein, sich anpassen können, kreativ werden und kooperativ im Team handeln. Passt das Denken der soeben beschriebenen Führungskräfte also noch zu den Anforderungen ihres Umfeldes? Nein. Ein Mindshift, ein Umdenken ist gefragt. Wie aber genau sieht das aus?

Agile Methoden brauchen ein agiles Mindset

Es tönt von allen Häuserdächern: Die neue Arbeitswelt ist hier. Digitalisierung, New Work, VUCA-Welt – Buzzwords machen die Runde und jede Führungskraft, die von sich behauptet, modern zu sein, will ganz vorn mitspielen. Da gibt es nur eine klitzekleine Hürde: Agile Methoden lassen sich ohne ein agiles Mindset nicht erfolgreich umsetzen. Ohne ein Umdenken verpufft alles, was du in deinem gedanklichen Werkzeugkoffer von der letzten Must-do-Schulung mitgebracht hast.

Die gute Nachricht: Eine Entwicklung des agilen Mindset ist möglich, nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt und angefangen bei dir selbst.

 

Wer die Welt verändern will, muss bereit sein, seine Komfortzone zu verlassen.

Einen guten Vergleich bietet uns das Silicon Valley: Hier gründeten Steve Jobs und Mark Zuckerberg ihre Unternehmen und revolutionierten mit ihnen die Welt. Was verbindet sie und die vielen anderen genialen Unternehmer aus dem Valley? Es ist eine ganz bestimmte Denkweise: Das agile Mindset.

Grundlage dafür sind Kreativität und Einfallsreichtum. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, über Grenzen hinaus zu denken – und die Bereitschaft, seine Komfortzone zu verlassen.
Bahnbrechende Neuerungen entstehen jedoch nie auf geraden Wegen oder über Nacht. Ebenso ist es mit dem agilen Mindset, aber dazu später mehr.

Deshalb ist auch Mut eine zentrale Eigenschaft der Pioniere aus dem Silicon Valley. Wer völlig neue Wege sucht, darf keine Angst vorm Scheitern haben. Und genau diese angstfreie, positive Einstellung zum Scheitern ist im Valley sehr verbreitet. Kaum eine Unternehmung war hier auf Anhieb erfolgreich. Nahezu alle Akteure mussten Rückschläge einstecken, haben aus Fehlern gelernt und sich neu aufgerappelt, bevor sie durchstarten konnten.

Nur mit dieser Haltung gelingt es, sein Mindset und seine Produkte nicht nur Schritt für Schritt, also inkrementell zu verbessern, sondern echte Innovationen zu erschaffen, also disruptiv zu agieren.

Beispiele für eine solche disruptive Entwicklung in der Vergangenheit sind die Erfindung des Rads, des Flugzeugs und des Internets. Auch das Start-up Uber, das seit 2009 weltweit den Taximarkt durcheinanderwirbelt, ist eine disruptive Innovation. Es vermittelt Transportdienste zwischen Fahrgästen und Haltern von Privatautos. Ein völlig neuer Ansatz, konsequent und global durchgesetzt – eine typische Idee, die durch ein agiles Mindset, entstehen kann.

4 Schritte hin zu einem agilen Mindset

Die folgenden vier Schritte wurden von der Management- und Karriereberaterin Svenja Hofert entwickelt.

Schritt 1 zum agilen Mindset: Selbstwahrnehmung

Wenn du mit Menschen arbeitest und sie entwickeln willst, dann schau zuerst in dich selbst hinein. Bist du der Meinung, du selbst kannst dich nicht verändern, dann wird es dir schwerfallen, eine Weiterentwicklung in deinen Mitarbeitern hervorzurufen.

Bist du eine der Personen, die immer alles „richtig“ machen möchte, dann habe ich einen Rat für dich: Mach dich mal locker! Du magst stets nach der perfekten Anleitung und dem unfehlbaren Plan suchen, aber du solltest lernen, dass keiner von uns vollkommen ist. Um innovativ neue Wege zu gehen, musst du auch ab und an falsch abbiegen.

Schritt 2 zum agilen Mindset: Selbstkenntnis

Hast du eine Mission? Folgst du bestimmten Werten? Ja? Gut so! Sie weisen dir die Richtung und können dir, wenn du dich auf sie besinnst, dein eigenes Handeln erklären. Du bestimmst, wie dein agiles Mindset, also der Filter, durch den du deine Realität wahrnimmst, aussieht. Du kannst nicht immer beeinflussen, in welcher Situation du dich befindest, aber du kannst immer entscheiden, wie du über sie denkst.

Sieh deine Werte und Prinzipien allerdings nicht als etwas Starres an und hinterfrage sie regelmäßig.

Schritt 3 zum agilen Mindset: Selbstaktualisierung

Werde dir bewusst, dass du kein Sklave deiner aktuellen Situation bist. Du kannst dich verändern, du kannst deine Werte neu ausrichten und dich weiterentwickeln.

Bitte deine Kollegen zum Beispiel um ein Feedback und lerne, konstruktive Kritik anzunehmen. Verlasse deine Komfortzone ab und an und in kleinen Schritten.

Schritt 4 zum agilen Mindset: Selbstentwicklung

In diesem Schritt gehst du, wenn nicht schon zuvor geschehen, vom Denken ins Handeln über. Was willst du dich tatsächlich verändern und wie? Setze dir Ziele und behalte dir vor, diese zu kalibrieren. Dann zieh los und mach!

Infografik - Was ist ein agiles Mindset und was braucht es?

Fazit – Feuer dein agiles Mindset an, damit es wieder in die Spur kommt

Die soeben genannten vier Schritte sind auf keinen Fall eine feste, starre Anleitung, denn damit wäre das gesamte Ziel dieses Beitrages verfehlt. Vielmehr sollen sie eine Inspiration sein, an dir selbst zu arbeiten und Dinge zu hinterfragen. Dein agiles Mindset macht den Unterschied.