Ist es nicht seltsam? Je räumlich distanzierter wir sind, desto mehr spüren wir, wie wichtig uns doch die Gemeinschaft ist. Wir arbeiten vom Home Office aus und vermissen unsere Kollegen. Wir führen unsere Meetings über Zoom durch und wünschen uns plötzlich in den Büro-Konferenzraum zurück, inklusive Donuts und Kaffee. Herzlichen Glückwunsch! Diese Gefühle sprechen für eine positive, warme Atmosphäre bei der Arbeit.

So vieles ist im Unternehmen eine Frage der Kultur. Wie kommunizieren die Kollegen miteinander, wie werden Entscheidungen getroffen, wie wird mit Stress umgegangen, wie werden Konflikte konstruktiv gelöst, wie wird auf herausfordernde Zeiten reagiert – alles eine Frage der Kultur und diese ist für jede Firma so einzigartig, wie ein Fingerabdruck.  

Nun, in den vergangenen Monaten wurde die ein oder andere Unternehmenskultur ordentlich auf die Probe gestellt. Wir leben in ungewissen Zeiten, keine Frage, und darauf müssen wir reagieren. Wir müssen flexibel sein, neue Ziele setzen und in diesem Zusammenhang kommt uns ein Buzzword in den Kopf: Agilität. 

Gerade jetzt, aber auch in jeder anderen Situation, ist es lohnenswert eine Kultur zu entwickeln, in dem sich agile Führung und agiles Arbeiten entfalten kann. Denn Agilität ist mehr als nur Strukturen und Prozesse, mehr als nur ein Buzzword, sondern ein Mindset, das erfolgreiche Unternehmen teilen.  

Recap: Was ist agiles Arbeiten?

Auch wenn Agilität erst in den letzten Jahren als Führungskonzept immer populärer wurde, existiert die Idee bereits seit fast 70 Jahren in verschiedenen Facetten. Da unsere Welt durch die Digitalisierung jedoch immer schneller und unsicherer wird, erfährt das Thema heute neue Bedeutung und Aktualität. Agilität im Organisationszusammenhang bedeutet die Fähigkeit eines Unternehmens auf unvorhergesehene Ereignisse, neue Anforderungen und Veränderungen flexibel zu reagieren und proaktiv zu handeln.

Viele von uns brauchen diese Erklärung nicht, schließlich ist das Thema nicht neu, aber wie agile Transformation in der Praxis aussieht, ist den meisten nicht klar. 

Was sind die Grundpfeiler agiler Organisationskultur?

Dr. Stefanie Puckett, ein Executive Coach und Organisationsentwicklerin, hat sich eingehend mit Agilität beschäftigt und sagt, es gäbe zentrale, unverzichtbare Elemente – einen Code – den erfolgreiche, agile Organisationsstrukturen aufweisen. Sie nennt diese das TEC-Modell, wobei „TEC“ für drei Grundpfeiler agilen Denkens und Handelns stehen: Transparenz, Empowerment und Collaboration (Zusammenarbeit). Jedes dieser Elemente besteht, nach Puckett, wiederum aus drei Aspekten. Gemeinsam bilden sie das Rad einer agilen Kultur.

Agiles Arbeiten - Grundpfeiler

Element #1: Transparenz

Transparente Kommunikation wichtiger Unternehmensangelegenheiten schafft Vertrauen und somit Motivation, Kreativität, Innovation und Produktivität. Sie bildet die Basis und gibt den Angestellten den Weg vor, um Eigenverantwortung übernehmen zu können. Wenn Mitarbeiter das Gefühl haben ihnen wird vertraut und „die da oben“ verschweigen ihnen nichts, auch nicht die unangenehmen Infos, bewegt das ungemein positiv. 

Transparentes, agiles Arbeiten
Aspekt #1: Transparent mit Daten und Informationen umgehen

Was ist der Schlüssel um proaktiv handeln zu können? Infos, Infos und noch mehr Infos. Nur wenn du weißt, was deine Kunden suchen, kannst du die richtigen Produkte anbieten. Nur wenn du weißt, wo deine Konkurrenz steht, kannst du auf neue Trends rechtzeitig reagieren. Nur wenn du weißt, wie sich deine Mitarbeiter fühlen, kannst du zu einer positiven Unternehmenskultur beitragen. Aus diesem Grund ist es unverzichtbar, Daten zu sammeln und diese transparent der gesamten Organisation zur Verfügung zu stellen. 

Aspekt #2: Transparent mit Ergebnissen und Erfolgen umgehen

Unternehmen, die transparent mit Ergebnissen umgehen und in denen konstruktives Feedback gegeben wird, können zeitnah identifizieren, ob sie mit ihren Entscheidungen richtig lagen oder ob nachjustiert werden muss. Außerdem bestätigen Erfolge dich selbst und deine Kollegen in ihrer Arbeit und führen zu positiven Erlebnissen, die wiederum motivieren. Hier kommt wieder Aspekt #1 ins Spiel: Daten, wie zum Beispiel Klickraten oder Verkaufszahlen helfen, um herauszufinden, ob du auf dem richtigen Weg bist. 

Aspekt #3: Transparent mit Absichten, Zielen und Plänen umgehen

Welche Ziele verfolgt dein Unternehmen? Und was kannst du zum Erreichen dieser beitragen? Organisationen müssen ihre Pläne und Absichten transparent kommunizieren, wenn sie wollen, dass alle Mitarbeiter an einem Strang ziehen. Unternehmenswerte und eine allübergreifende Vision geben hierbei den Weg vor und helfen bei der Orientierung. 

3 Tipps für mehr Transparenz und agiles Arbeiten: 

  1. Sammle bewusst Daten, die für deine Arbeit wichtig sind und nimm dir Zeit sie auszuwerten. Teile mit deinen Kollegen, was du aus diesen Informationen lernst.
  2. Überlege dir, welchen Effekt die Arbeit eines Kollegen auf dich hat und gib konstruktives Feedback.  
  3. Sprich mit deinen Kollegen über deine Ziele und darüber, welche Absichten du mit einem Projekt hast. 

Element #2: Empowerment

Agile Unternehmen geben ihren Mitarbeitern die Freiheit selbst zu entscheiden und autonom zu handeln. Nutzen Angestellte diese Chance und ziehen alle an einem Strang, kann wahrlich Großartiges vollbracht werden. 

Empowerment gehört zum agilen Arbeiten.
Aspekt #1: Freiheit, autonom zu handeln

Um auf Veränderungen zeitnah zu reagieren, müssen Mitarbeiter befähigt werden genau das zu tun – zu reagieren und selbst Entscheidungen zu treffen. Sie brauchen den Raum und die Freiheit, um autonom zu handeln. Die Basis hierfür ist Vertrauen zwischen Angestellten und Führungskräften und der Wille Verantwortung zu übernehmen. Das ist nicht selbstverständlich. Oft wird zum Beispiel noch nach Anwesenheit, statt nach Leistung bewertet – ein altmodisches Denken, dass Unternehmen gerade jetzt vor Herausforderungen stellt. 

Aspekt #2: Selbstführung und Lust Entscheidungen zu übernehmen

Agile Unternehmen brauchen Macher und Macherinnen, die Lust haben Entscheidungen zu übernehmen. Schlüsselwort: Selbstführung – und hierzu gehört emotionale Intelligenz, um die eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu steuern und anderen mit Empathie zu begegnen. Hierzu gehört aber auch Selbstorganisation und die Fähigkeit richtig zu delegieren.  

Aspekt #3: Eigenverantwortung übernehmen

Es reicht nicht aus, wenn Unternehmen Mitarbeitern Freiheit geben autonom zu handeln, diese aber Aufgaben nicht aus eigener Verantwortung heraus übernehmen. „Das ist nicht mein Job“, hat ausgedient. In agilen Unternehmen dürfen Angestellte nicht nur Verantwortung übernehmen, sondern sie wollen genau das auch. 

3 Tipps für mehr Empowerment & agiles Arbeiten:

  1. Nutze deine Chancen und übernimm Eigenverantwortung! Was kannst du übernehmen? Was kannst du organisieren?
  2. Empowerment bedeutet auch, Verantwortung abzugeben und anderen Vertrauen zu schenken. Kannst du das? Wenn du hier noch Unterstützung brauchst, lies meinen Blogbeitrag für richtiges Delegieren
  3. Experimentiere und probiere Neues! Auch in unsicheren Zeiten ist es wichtig neue Ideen zu verfolgen und einfach mal zu machen. 

Element #3: Collaboration (Zusammenarbeit)

Zusammenarbeit beginnt mit einem Miteinander, mit persönlichen Beziehungen und mit gegenseitigem Vertrauen. Agile Transformation setzt voraus, dass sich Mitarbeiter trauen eigene Ideen vorzubringen und Gefühle zu kommunizieren – so kann auf Konflikte eingegangen und Innovation geschaffen werden.

Gemeinschaftlich agil arbeiten
Aspekt #1: Teile dein Wissen und entdecke Neues

Großes Potenzial entsteht dann, wenn Mitarbeiter ihr Wissen teilen und gemeinsam Brainstorming-Sessions abhalten. Wird Bekanntes neu kombiniert und werden Lösungen vernetzt, können geniale Innovationen entwickelt werden. Hierbei sollten agile Unternehmen auch öfters über den Tellerrand einer bestimmten Abteilung schauen und wild zusammen gewürfelte Teams kollaborieren lassen.

Aspekt #2: Flexibel dort arbeiten, wo die eigenen Stärken eingesetzt werden können

In der agilen Transformation sollten Strukturen geschaffen werden, die Mitarbeitern Zeit einräumen, etwas zu tun, mit dem sie glauben einen wirklichen Mehrwert schaffen zu können. Wo liegen die Stärken deiner Kollegen? Wo liegen deine? Was macht dir so wirklich Spaß? Die Basis hierfür ist, dass interne Silos und Hierarchien abgebaut werden.

Aspekt #3:  Gemeinsam Fehler machen, gemeinsam wachsen

Fortschritt und Innovation passieren dann, wenn Macher und Macherinnen diskutieren, sich Feedback geben und sich trauen disruptive Ideen einzubringen. Voraussetzung hierfür ist psychological Safety, also eine Unternehmensatmosphäre, in der sich Mitarbeiter sicher fühlen zu sagen und auszuprobieren, was sie möchten. Fehler werden als Chancen angesehen und Konflikte werden konstruktiv gelöst. 

3 Tipps für bessere Zusammenarbeit & agiles Arbeiten:

  1. Lerne deine Kollegen wirklich kennen! Hierfür darfst du auch gern persönliche Erfahrungen teilen und über firmenexterne Dinge sprechen. Gute Zusammenarbeit beginnt mit guten Beziehungen.
  2. Biete deinen Kollegen deine Unterstützung an, wenn du freie Spitzen und Kompetenzen hast, die du anderweitig einsetzen kannst! 
  3. Feiert eure Erfolge gemeinsam und reflektiert im Team, was ihr alles geschafft habt.

Agile Kultur oder Selbstständigkeit?

All diese Aspekte sind doch selbstverständlich? Nicht wirklich! Auf die Kultur kommt es an. Fehlt eines dieser Kulturelemente – Transparenz, Empowerment und Zusammenarbeit – oder ist nur wenig ausgeprägt, entsteht ein Ungleichgewicht und erschwert agiles Arbeiten. 

Kulturveränderung beginnt bei jedem von uns. Wir alle können mit kleinen Änderungen unseres Mindsets zu einer agileren Organisation beitragen. 

Unternehmen können für sich das TEC-Modell auseinandernehmen – Jedes Element einzeln betrachten, jeden Aspekt analysieren. Wo steht ihr? Was läuft gut und wo muss nachjustiert werden?