Sind wir bereit? Diese Frage stellen wir uns schon seit einigen Jahren. Sind wir bereit für New Work? Sind wir bereit für die Digitalisierung, für flexibles Arbeiten und flache Hierarchien? Sind wir bereit? Für viele Unternehmen beantwortet sich diese Frage gerade ganz von allein. In Krisenzeiten bleibt uns oft keine Zeit lange zu grübeln und akribisch zu planen. Wir stehen vor neuen Herausforderung. Wir müssen Entscheidungen treffen und handeln. Wir müssen ganz einfach bereit sein. 

Der Corona-Virus ist die erste, wahre Belastungsprobe für unsere neue Arbeitswelt und all die Prinzipien und Ideen, die mit ihr einhergehen. Können New Work Konzepte, wie Selbstorganisation, Partizipation und Scrum-Prozesse dem Druck standhalten, dem viele Unternehmen derzeit ausgesetzt sind? Die Arbeit vom Home Office, die Neuordnung „alter“ Strukturen und vor allem Unsicherheit und die Ängste, die mit ihr einhergehen, machen vielen von uns zu schaffen. Die gute Nachricht: Es gibt eine Vielzahl menschlicher Kompetenzen, die uns dabei helfen, diese Krise zu überstehen und von denen im Zusammenhang mit New Work eigentlich schon immer die Rede war. Nur haben wir uns möglicherweise zu stark auf die schicken Büromöbel und die Obstkiste konzentriert und vergessen, dass neues Arbeiten nur mit Fähigkeiten möglich ist, die dieses überhaupt zulassen. 

Recap – Was bedeutet New Work?

Den meisten von uns ist der Begriff „New Work“ sicher bekannt, teilweise ist er sogar bereits zum Buzzword geworden. Was aber bedeutet New Work wirklich? 

Neue Technologien, allumfassende Vernetzung, Automatisierung und Digitalisierung führen seit einigen Jahren zu einem tiefgreifenden wirtschaftlichen und kulturellen Wandel. Das Konzept New Work beschreibt die neue Arbeitsweise, die sich diesen Veränderungen anpasst und in denen alte Strukturen wie Hierarchien, Planung und Fehlervermeidung nicht mehr angemessen sind. Der klassische „Nine-to-Five-Job“ wird durch flexible Arbeitsgestaltung ersetzt – mit neuen Möglichkeiten, mit mehr Innovation, mit mehr Kreativität und neuen Kommunikationswegen.

Die Digitalisierung erinnert uns an das Menschsein zurück. Wenn künstliche Intelligenz unsere Arbeit übernimmt, wofür arbeiten wir dann überhaupt noch? Bei New Work tritt also die Sinnfrage in den Vordergrund: Was will ich wirklich, wirklich tun und warum?  

Was sind New Work Skills - Grafik

Wie geht New Work?

Nun, natürlich gehören zu einer digitalen, vernetzten Welt moderne Smartphones und schnelle Laptops. Ich werde heute aber weder über neue Technologien, noch über Firmen-Tischentennis-Turniere, kostenlosen Kaffee und Boot-Camps in der Mittagspause schreiben. Auch die gehören zu New Work, das ist richtig, aber mir geht es heute viel mehr um die Kompetenzen, die Mitarbeiter und Führungskräfte brauchen, damit New Work in deinem Unternehmen auf Dauer erfolgreich umgesetzt werden kann. 

Wie gelingt New Work? Auf die folgenden fünf Fähigkeiten kommt es an – auch und vor allem in Krisenzeiten. 

New Work Kompetenz 1: Selbstwahrnehmung & Rollenklarheit

Alles beginnt bei DIR selbst. Alles beginnt mit guter Selbstwahrnehmung. Kennst du deine Stärken und weißt, welchen Beitrag du zu einem Projekt leisten kannst? Bist du dir bewusst, welche Wirkung du auf andere hast und ob du einen vertrauensvollen Eindruck machst? Was nervt und stresst dich, vor allem in herausfordernden Zeiten? Wo brauchst du Unterstützung und bist du überhaupt bereit diese anzunehmen?

Alles beginnt bei dir. Eine gesunde Selbstwahrnehmung und Selbstkritik gibt dir eine stabile Basis und die Sicherheit, New Work-Prozesse souverän zu meistern. Dich selbst gut zu kennen, gibt dir auch eine gewisse Klarheit, die sich wiederum in deiner Kommunikation, deinem Rollenverständnis und deinem Umgang mit den Kollegen widerspiegelt. Das ist vor allem dann wichtig, wenn Veränderungen anstehen oder Konflikte gemeistert werden müssen. 

New Work Kompetenz 2: Kommunikation

Arbeite ich mit einem neuen Kunden, führe ich in der Regel gleich zu Beginn eine Mitarbeiterbefragung durch. Wie sonst wollen wir erfahren, ob die Mitarbeiter zufrieden sind und in welchen Bereichen es klemmt? 

Ein Punkt, der oft von allen Beteiligten – Führungskräften und Mitarbeitern – gleich zu Beginn bemängelt wird, ist die Kommunikation. Hier hängt es am häufigsten und die räumliche Trennung, die wir derzeit durch unsere Arbeit im Home Office erfahren, erschwert dieses Thema nur. Vor Kurzem trafen wir uns noch persönlich an der Kaffeemaschine oder in einem Konferenzraum, heute finden Meetings virtuell statt. Kommuniziert wird via E-Mail und im Chat. Welche Herausforderungen bringt digitale Kommunikation mit sich?

  1. Wir haben mehr Zeit, um über unsere Worte nachzudenken. Wir können E-Mails schreiben, dann Zeilen löschen, dann Begriffe austauschen und dann andere um Rat fragen, bevor wir tatsächlich auf „Senden“ klicken. Zwar mögen wir meinen, dies sei ein Vorteil, doch gerade, wenn es um schwierige Entscheidungen, kreative Prozesse oder Teamaufgaben geht, ist auch immer eine gehörige Portion Bauchgefühl gefragt. Diese fällt weg, wenn wir eine Nachricht immer wieder editieren können.  

  2. Unsere Nachricht wird weniger authentisch. In realen Gesprächen passiert so viel: Zögern, Körpersprache, direktes Feedback, Wiederholungen. All diese Rohdaten liefern dem Zuhörer eine ganze Menge Informationen und vermitteln Emotionen. Um wirklich authentisch zu wirken, müssen auch in der virtuellen Kommunikation Gefühle und Informationen verbunden werden.

  3. Business-Blabla statt Klartext. Welche Buzzwords können wir in unsere E-Mails einbauen, damit wir clever und gebildet klingen? Wie kann ich Kritik verpacken, so dass ich ja nicht anecke? Businessfloskeln, starre, glatte Kommunikation, die uns irgendwann einmal im Studium beigebracht wurde, Formeln und Harmoniesucht – Unsere eigentliche Nachricht geht oft verloren, weil wir so Krampf versuchen „richtig“ zu klingen. Lass das Business-Blabla weg und versuch’s mal mit Klartext!

  4. Was war noch einmal die Kommunikationsabsicht? Oft schreiben wir E-Mails, um einfach geantwortet zu haben. Leere Worte schwirren durch den Raum. Bei New Work, erst recht in Krisenzeiten, kommt es darauf an, dass unsere Kommunikationsabsicht klar ist – nicht nur für andere, sondern auch uns selbst. Bevor du kommunizierst, frage dich immer erst, welchen Standpunkt du selbst einnimmst, welche Entscheidung du herbeiführen willst, welche Informationen dir fehlen und welches Gefühl du beschreiben möchtest.

  5. Verschiedene Teams, verschiedene Sprachmuster. Das New Work-Konzept sieht flache Hierarchien vor und setzt voraus, dass Mitarbeiter sich in Teams organisieren und verständigen. Um hierbei erfolgreich zu sein, ist es wichtig, dass jeder „die gleiche Sprache“ spricht, selbst wenn wir alle unterschiedliche Erfahrungen und Hintergründe haben. Ein Begriff kann für einen Marketing-Mitarbeiter eine andere Bedeutung einnehmen, als für einen Programmier. Hier ist bewusstes Zuhören, Empathie und der Mut nachzufragen, wenn wir etwas nicht verstehen, unumgänglich.  

New Work Kompetenz 3: Eigenverantwortung

In unserer neuen Arbeitswelt ist nur noch wenig genau abschätzbar. Dinge, Situationen und Teams verändern sich ständig und die Zukunft ist ungewiss. 

Dieser Gedanke löst bei manchen schiere Panik aus. Durchatmen! Wir packen das. Wenn wir alle Verantwortung für unsere Handlungen übernehmen, Unwägbarkeiten lernen auszuhalten und anderen mit Empathie begegnen, werden wir auch die größten Herausforderungen meistern. 

Verantwortung kann generell in verschiedene Richtungen verlaufen:

  • Zurück in die Vergangenheit
    Zu meinen Worten und Handlungen stehen, auch wenn diese im Nachhinein nicht ganz richtig waren
  • In der Gegenwart
    Hier und jetzt für meinen Standpunkt gerade stehen
  • In die Zukunft
    Herausforderungen anpacken und Aufgaben übernehmen

Verantwortung und Selbstorganisation als Teil von New Work

Im Bezug auf das New Work-Konzept bedeutet Eigenverantwortung übernehmen auch, souveräne Entscheidungen darüber zu treffen, wie wir selbst arbeiten wollen. Arbeit soll sinnstiftend und erfüllend sein. Wenn du diese Gefühle nicht empfindest, solltest du dir überlegen, was verändert werden kann, damit du glücklich wirst. Müssen Aufgaben delegiert werden? Solltest du öfter mal ‘Nein’ sagen? Wie müssen die Arbeitsbedingungen aussehen, damit sie zu deinen Bedürfnissen passen?

New Work Kompetenz 4: Toleranz

New Work lebt von Diversität. Jeder von uns ist unterschiedlich, hat verschiedene Stärken und andere Sichtweisen. Bei so viel Andersartigkeit kann es natürlich zu Konfliktpunkten kommen, die ohne eine Führungskraft als Mediator konstruktiv gemeistert werden müssen. Hier ist emotionale Intelligenz, vor allem Empathie und Verhandlungskompetenz gefragt. Versuche nicht, deine eigene Meinung mit aller Kraft durchzudrücken, sondern akzeptiere die Standpunkte anderer. Diese sind nicht per se falsch. Kompetenz 2 – Kommunikation – ist auch hier wieder besonders wichtig. Parke dein Ego einmal auf der Seite! Höre anderen zu, erkläre deine Sichtweise sachlich und hinterfrage, wenn du etwas nicht verstanden hast! 

Für die erfolgreiche Zusammenarbeit in New Work Teams ist es ausschlaggebend, dass sich jeder in der Lage fühlt, die eigene Meinung zu äußern und Ideen beizutragen. Nur so entsteht Mehrwert im Kollektiv. Psychological Safety spielt hierbei eine große Rolle, denn nur mit ihr ist Zusammenarbeit auf Augenhöhe möglich. 

New Work Kompetenz 5: Reflektion & Wertschätzung

In der klassischen Arbeitswelt nimmt die Führungsperson häufig die Rolle desjenigen ein, der die Arbeitsleistung analysiert, Feedback gibt und Optimierungsvorschläge gibt. Im New Work Konzept, in dem eher flache Hierarchien gefragt sind, fallen diese Führungsaufgaben weg beziehungsweise müssen von den Teammitgliedern selbst übernommen werden. Eine typische Form der Reflektion in Unternehmen, die New Work bereits leben, ist zum Beispiel Scrum-Retrospektiven. 

Während oder nach abgeschlossenen Projekten, sollten Teams zusammensitzen und Fragen stellen. Was lief gut? Welche Erfolge können wir feiern? Woran sollten wir arbeiten, um das nächste Mal besser zu performen? In Feedbackrunden wie diesen, sollten wir allerdings nie zu lange an „Fehlern“ der Vergangenheit hängen, sondern immer den Blick in die Zukunft richten. Dazu gehört auch, konstruktive Kritik nicht als Angriff auf die eigene Person zu sehen. 

Zudem müssen wir uns auch immer wieder darauf besinnen, dass wir Menschen und keine Maschinen sind. Abgesehen vom Projekt: Wie fühlt sich jeder? Wird jeder beteiligt? Wie steht es um die Gruppendynamik und die Beziehungen zwischen den Kollegen? Zeige deinem Team gegenüber Wertschätzung!

New Work Infografik - Wer kann New Work

New Work – Wir sind bereit! 

Die fünf Kompetenzen, die ich soeben aufgezählt haben, sind für uns alle nichts neues. Schon im Kindergarten haben wir gelernt (oder sollten wir gelernt haben), die Meinung anderer zu akzeptieren und jeden mitspielen zu lassen. In der Schule in Gruppenarbeiten ging es darum, uns selbst als Team zu organisieren, zu kommunizieren und auf den Stärken der einzelnen aufzubauen. All diese New Work Skills schlummern bereits in uns und jetzt, in Zeiten wie diesen, gilt es, sie zu erwecken und auf ihnen aufzubauen. 

Herausforderungen und Veränderungen wird es immer geben. Sie begleiten uns das ganze Leben lang. Die Frage ist nur: Bist du bereit? 

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