Schon der Titel lädt dazu ein, diesen Beitrag mit einer philosophischen Note zu beginnen. Die Sinnstiftung, oder die Nachvollziehbarkeit des menschlichen Erlebens, ist eine Aufgabe, derer sich viele Philosophen über die Jahrtausende angenommen haben.

„Wer um einen Sinn seines Lebens weiß, dem verhilft dieses Bewusstsein mehr als alles andere dazu, äußere Schwierigkeiten und innere Beschwerden zu überwinden!“

– Friedrich Nietzsche

Kein Wunder also, dass wir stets auf der Suche nach dem eigenen Sinn des Lebens sind, aber wir konstruieren, dekonstruieren und re-konstruieren eben auch sinnstiftende Elemente um uns herum – nicht mehr nur um unsere eigene Existenz zu verstehen, sondern die Geschehnisse in der Welt.

Und mit diesem kleinen Ausflug in die Philosophie und die Sinnhaftigkeit des Lebens, kommen wir auch schon zu VUCA vs BANI – zwei Sensemaking Models, ein älteres und ein neues.

VUCA – Ein Akronym der Unternehmenswelt

Einleitend schauen wir einmal genau auf die Worte hinter VUCA.

  • Volatility –          Volatilität
    • Beschreibt die Unvorhersehbarkeit, stetige Veränderung und immer neue Herausforderungen.
  • Uncertainty –          Unsicherheit
    • Beschreibt das Gefühl und die Realität, die eine volatile Weltordnung mit sich bringt.
  • Complexity –          Komplexität
    • Beschreibt die Situation, wenn Daten und Informationen zwar verfügbar sind, doch auf eine unübersichtliche Weise.
  • Ambiguity –          Ambiguität
    • Beschreibt die Verwirrung, die auftritt, wenn es durch ein Überangebot an Informationen zu Missverständnissen kommt, oder auch die Unmöglichkeit, eine Situation vollständig zu begreifen, aufgrund ihrer Mehrdeutigkeit.

Als Unternehmer oder Führungskraft ist Ihnen dieses Akronym und seine Bedeutung für die Geschäftswelt sicherlich bekannt, doch kommt VUCA aus einem ganz anderen Szenario – nämlich aus der Zeit nach dem Kalten Krieg.

Ein kurzer Umweg über die Geschichte…

VUCA, dieses Konzept wurde in den 1980er Jahren vom US Army War College ins Leben gerufen und beschrieb damals die Situation der Welt nach dem Kalten Krieg.

  • Die Welt musste sich neu ordnen.
  • Man konnte nicht genau vorhersehen, wie sich die Situation entwickeln würde, wem man vertrauen konnte.
  • Obwohl der Krieg vorbei war, blieb ein Gefühl der Unsicherheit.
  • Alles musste neu ausgewertet werden und ein neues Weltbild wurde kreiert.

Das Sensemaking Model VUCA macht für diese, aber auch alle anderen Nachkriegszeiten viel Sinn und es ist gut nachvollziehbar, dass sich die Regierungen mit diesen Schwierigkeiten konfrontiert sahen.

…und zurück in die Welt der Unternehmen

Relativ zügig, nachdem das Sensemaking Model VUCA auch in der Bevölkerung bekannter wurde, haben die Unternehmen diesen Ansatz für sich adoptiert und beschreiben damit diverse Probleme, mit denen sie sich in ihrem Alltag und Geschäftsleben konfrontiert sehen.

Auch in der Geschäftswelt sahen sich Führungskräfte und Verantwortliche mit Unvorhersehbarkeit, Veränderungen, Herausforderungen, Unsicherheit, einem Überfluss an Informationen und oft auch mit daraus resultierenden Missverständnissen konfrontiert.

Letzteres nicht nur auf großer Geschäftsebene, sondern manchmal auch innerhalb des Unternehmens und den Teams. Um die Herausforderungen des Alltags im Team besser zu meistern, gibt es übrigens ein weiteres Akronym und dahinter steckt eine spannende Methode – lernen Sie hier die OKR-Methode kennen.

Das Konzept VUCA hat sich folglich auch in Unternehmen eingefunden, aber ist dieses Modell noch aktuell?

Die Transformation in eine neue Zeit

Die Welt und der Mensch befinden sich im stetigen Wandel und deshalb müssen beizeiten auch Konzepte und sinnstiftende Modelle, oder auch Akronyme, angepasst werden.

Genau das ist mit VUCA passiert. Während das Sensemaking Model aus der Zeit nach dem Kalten Krieg für viele Jahrzehnte auch in die Unternehmenswelt gepasst hat, gibt es heute ganz andere Themen und Herausforderungen als ein Überfluss an Informationen und Komplexität.

 

Selbstverständlich sind nicht alle Teile der VUCA-Welt plötzlich ungültig geworden, aber dennoch entspricht dieses Konzept nicht mehr den Herausforderungen der modernen Geschäftswelt.

So findet aktuell der Transfer von VUCA zu BANI statt.

Hallo Bani! Die Zeit des Chaos braucht ein neues Akronym

Zugegeben, Zeit des Chaos klingt sehr apokalyptisch, jedoch steht die Menschheit aktuell vor einer Reihe an Herausforderungen, die noch vor 2-3 Jahren kaum jemand erahnt haben dürfte. Und das wirkt sich natürlich auch auf die Weltwirtschaft und die Unternehmen aus.

Schauen wir uns zunächst einmal an, wofür das Akronym BANI genau steht:

  • Brittleness –                      Zerbrechlichkeit
    • Nicht zuletzt das Coronavirus hat uns gezeigt, wie zerbrechlich und anfällig unsere Welt sein kann und damit auch die Wirtschaft. Etablierte Brick & Mortar-Businesses haben nicht, oder nur knapp, überlebt, und andere haben in der Krise besonders viel Profit gemacht.
  • Anxiety –                      Angst
    • Diese Zerbrechlichkeit und die damit einhergehende Unsicherheit, machen uns Angst und wir sehen uns gezwungen schneller zu handeln. Ein grundlegendes Konzept des BANI Modells ist die Schnelligkeit – wie schnell wir Entscheidungen treffen, kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
  • Non-linearity – Nicht-Linearität
    • In einer Welt, die nicht-linear ist, können schon kleine Entscheidungen große und schwerwiegende Auswirkungen haben. Und gleichzeitig kann es sein, dass große Bemühungen fast gar keine Auswirkungen haben.
  • Incomprehensibility – Unverständlichkeit
    • In unserem Zeitalter der Informationen, des Informationsüberflusses, können wir zu jeder Tages- und Nachtzeit auf Daten zugreifen. Doch diese Entwicklung führt dazu, dass sich die Welt immer schneller verändert, neue Konzepte, Ideen, Best Practices etc. Je schneller sich alles dreht, desto weniger scheinen wir jedoch verstehen zu können.

Dieses Konzept macht deutlich, vor welchen Hürden Unternehmen schon jetzt, und auch in Zukunft stehen werden. Also stellt sich jetzt die Frage, wie kann, oder muss, ich mich als Unternehmer oder Führungskraft verhalten, was muss ich ändern oder lernen, um in einer BANI-Umgebung erfolgreich zu sein?

Was bedeutet BANI für Unternehmen und wie können sich Führungskräfte darauf einstellen?

Auch wenn das Sensemaking Model VUCA ebenso den Faktor der Unsicherheit innehatte, sieht es beim BANI Konzept noch einmal anders aus. Im letzten Jahr, nach Ausbruch der Pandemie, hat sich unser Leben bis in den privaten Bereich hinein, sehr stark verändert. Lockdown, Ausgangssperren, wenige bis keine sozialen Kontakte mehr – wir haben Einschränkungen erfahren, die sich so niemand hätte vorstellen können.

Es ist kein Wunder, dass viele Menschen mit Angst reagiert haben, es stehen bis heute Existenzen auf dem Spiel und auch das kollektive Wohlbefinden, unsere mentale Gesundheit, haben gelitten.

Aufgrund dieser Ausnahmesituation, in der sich die Menschheit, die Welt und die Wirtschaft befinden, müssen auch Unternehmer und Führungskräfte umdenken – die Unternehmenswelt muss wieder menschlicher werden.

Ein gutes Führungsverhalten hat sich idealerweise schon immer auch durch Soft Skills ausgezeichnet, aber mittlerweile ist klar, die Werte, die Menschlichkeit und die Empathie eines Unternehmens und dessen Philosophie, ist jetzt relevanter denn je.

Dies hat nicht nur etwas mit der Corona-Pandemie zu tun. Die Welt ist im Um- und Aufbruch und das dürfen Unternehmen, die auch in Zukunft erfolgreich sein wollen, nicht ignorieren.

In den letzten Monaten kommen Fragen nach politischer Einstellung hinzu; wie divers sind Unternehmen, wie sieht es mit der Equal-Pay-Gap aus und wie gut kümmern sich die Unternehmen in der Krise um ihre Mitarbeiter und wie ist ihr Führungsstil?

In einer BANI Welt müssen Unternehmen und Führungskräfte daher:

  • Resilienz und Sicherheit zeigen.
  • Empathisch sein, klare Werte vertreten und Ressourcen haben.
  • Produkte und Services immer anpassungsfähig halten, damit Veränderungen nicht existenzgefährdend sind.
  • Transparent sein und die Intuition wieder zum Teil des geschäftlichen Alltags machen. Denn wenn nichts mehr sicher ist, dann hilft kein logischer Plan und wir müssen uns wieder auf unser Bauchgefühl verlassen können.

Schlussfolgerung

„Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.“

– Joachim Ringelnatz, dt. Schriftsteller, Maler & Schauspieler

In der Überschrift steht VUCA vs. BANI, doch die beiden Sensemaking Ansätze widersprechen sich nicht, BANI ist lediglich die Antwort auf unsere aktuelle Situation und damit hat VUCA sich natürlich weiterentwickelt. Und damit sind wir auch bestimmt nicht am Ende angelangt, denn so schnell wie sich unsere heutige Welt verändert, so schnell wird es auch wieder einen neuen Sensemaking-Ansatz brauchen.

Während sich die Menschen in einer VUCA Welt noch darauf eingestellt haben, diese neu zu ordnen, um sie wieder verstehen zu können, stellt sich in der BANI Welt nun die Frage, ob wir dieses Chaos, die ganzen politischen und sozialen Geschehnisse des letzten Jahres, überhaupt nachvollziehen können und anstelle diese Welt möglichst schnell wieder zu ordnen, ist unsere Aufgabe nun, die Welt erst einmal zu heilen.

Das BANI Konzept ist daher so zeitgemäß und relevant, weil es einen Ansatz aufzeigt, mit dem wir arbeiten können, um Lösungen für das Chaos zu entwickeln, immerhin das Chaos, das wir entfacht haben.