Woran denkst du, wenn du die Begriffe „Konflikt“ und „Konfliktmanagement“ hörst? Zerrüttete Ehen, ganze Nationen im Krieg, Kollegen, die sich im Meeting giftig über den Tisch hinweg anzischen, der Teenager, der knallend die Kinderzimmertür zuschlägt? 

Konflikte können zerstörerisch sein, in den meisten Fällen sind sie unangenehm. Kein Wunder also, dass es da draußen zahlreiche Ratgeber mit bunten, blumigen Titeln wie „Konfliktfrei leben“ und „Konflikte schnell lösen“ gibt. Wir denken nicht gern über Unangenehmes nach und wollen noch weniger gern darüber sprechen. Hauptsache immer schön harmonisch. Hauptsache jeden Streit vermeiden oder zumindest möglichst schnell aus der Welt schaffen. Dabei können wir gar nicht konfliktfrei leben. Konfliktpotenzial ist allgegenwärtig. Es gehört zum Normalzustand unseres Daseins. 

Konflikte im Team können mit Konfliktmanagement gelöst werden

Konfliktpotenzial ist allgegenwärtig

Das mag vorerst irgendwie deprimierend klingen, ist es aber gar nicht. Wir sind Menschen, Individuen. Wir haben unterschiedliche Werte, unterschiedliche Meinungen und haben verschiedene Erfahrungen gemacht. Meine Ziele und Absichten passen nicht unbedingt zu deinen Zielen und Absichten. Meine Sicht auf die Welt ist ebenso einzigartig, wie deine. Aber ich kann immer nur von mir selbst ausgehen. Ich kann nicht objektiv beurteilen, was richtig und wahr ist, sondern denke und handle immer aus meiner Subjektivität heraus. Da ist es nur normal, dass wir ab und zu aneinandergeraten und sich unsere Emotionen entladen. 

Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass einer von uns einen Fehler gemacht hat, sondern nur, dass wir individuelle und subjektiv denkende Wesen sind und sich das niemals ändern wird. Konflikte sind also keine Ausnahme-, sondern eine unvermeidbare Begleiterscheinung des menschlichen Daseins. Wenn wir nicht konfliktfrei leben können, ist es umso wichtiger, dass wir einen richtigen, konstruktiven Umgang mit ihnen finden. 

Konfliktmanagement – Auf die Einstellung kommt es an

Beim Konfliktmanagement kommt es nicht auf spezielle Prozesse, Techniken und Leitfäden, sondern grundlegend erst einmal auf unsere Einstellung gegenüber Disputen selbst an. Halten wir sie für etwas Böses und Krankes? Oder verstehen wir, dass wir Konflikte brauchen, um weiterzukommen, um besser zusammenzuarbeiten und zusammenzuleben?

Um einen besseren Umgang mit Konflikten zu lernen, müssen wir also vorerst an unserem Mindset arbeiten. Hierbei hilft es, sich einiger Fakten bewusst zu werden: 

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Konflikte sind normal

Wie bereits erwähnt – Konflikte sind normal. Dies zu realisieren ist der erste Schritt, um zukünftig besser mit Disputen umzugehen. Meinungsverschiedenheiten sind Teil unserer Kommunikation, unseres Lernens und unserer Entwicklung.

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Die Ursache eines jeden Konflikts ist Mehrdeutigkeit

„Rechthabenwollen ist eine Sehschwäche, die die Mehrdeutigkeit der Welt verneint.“ – Dr. Reinhard K. Sprenger, Unternehmensberater & Coach

Nichts lässt sich mit absoluter Sicherheit voraussagen. Eine Situation ist niemals nur eindeutig, sondern es gibt immer Alternativen. Und diese werden von verschiedenen Personen wiederum verschieden bewertet. Diesen Fakt zu akzeptieren fällt uns schwer. Wir sehnen uns so sehr nach dieser einen Antwort, den glasklaren Richtlinien und den strikten Vorgaben. Oft fühlen wir uns um einiges wohler, wenn wir wissen, wohin der Weg geht.

Ein Beispiel: Dein Team und du sitzen im Team Meeting zusammen. Ein Kollege schlägt vor, einen Newsletter an eure Kunden zu senden. Du hast genau das vor zwei Jahr versucht, jedoch haben sich daraufhin viele Kunden vom Erhalt eurer E-Mails abgemeldet. Du bist dagegen, dein Kollege ist dafür. Was ist richtig, was ist falsch?

Konfliktmanagement beginnt mit Akzeptanz von Mehrdeutigkeit
In der volatilen und unsicheren Zeit, in der wir heute leben, ist es wichtig zu akzeptieren, dass wir nicht alles voraussagen können. Beim Abwägen von pro und kontra, sollten immer beide Seiten der Medaille betrachtet werden, denn beide haben ihre Berechtigung. Es gibt keinen absolut richtigen Weg. Deswegen ist es wichtig, dass du an deiner Ambiguitätstoleranz arbeitest. Ist die Entscheidung einmal getroffen oder hast du begonnen, dich heranzutasten, dann halte dir immer die Möglichkeit offen, Korrekturen durchzuführen. 

Bei Konflikten sind Emotionen im Spiel

Uns wird widersprochen, wir werden nicht ernst genommen, angezweifelt, unser Selbstbewusstsein bekommt einen Kratzer – bei Konflikten sind immer auch Emotionen im Spiel. Und genau aus diesem Grund, weil eben niemand gern negative Gefühle empfindet, versuchen wir Konflikte so gut wie möglich zu vermeiden. Im Berufsleben wirkt sich das häufig durch ein „Nicken und Lächeln“ oder dadurch aus, dass Dispute nur oberflächlich gelöst werden. Mit dieser Taktik kommen wir aber langfristig nicht weiter. Konflikte lassen sich nicht wegignorieren.

Konflikte im Team können mit Konfliktmanagement gelöst werden

Uns wird andauernd erzählt, Gefühle hätten bei der Arbeit nichts verloren. In Konflikten sollen wir immer schön sachlich und professionell bleiben, was auch immer das bedeutet. Nur gibt es da ein Problemchen: Du kannst deine Gefühle nicht abschalten. Niemals. Sie sind dein stetiger Begleiter, wo auch immer du bist – im Büro, zu Hause, auf der Autobahn, im Supermarkt und unter der Dusche. Das bedeutet also, dass wir Emotionen nicht aus Konflikten verbannen können. Was wir allerdings beeinflussen können, ist wie wir auf Dispute reagieren, indem wir steuern, welche Worte und Handlungen durch unsere Gefühle angetriggert werden. Wenn du lernst, deine Emotionen wahrzunehmen und zu lenken, hast du die Zügel in der Hand, auch dann, wenn sich ein Konflikt aufbraut.

Das Eisberg-Modell beim Konfliktmanagement

Der größte Teil eines Eisbergs, ungefähr 7/9, befindet sich unter der Wasseroberfläche. Bei einem Konflikt ist die Situation oft ähnlich. Wir nehmen wahr, was wir sehen können, das Verborgene ist aber, was den größten Schaden anrichten kann. Es lohnt sich also unter unsere eigene Wasseroberfläche zu schauen, um zu wissen, was eigentlich den großen Knall auslöst. 

Das Eisberg Modell im Konfliktmanagement


Konfliktmanagement ist Willenssache

Um Konflikte konstruktiv zu bewältigen, muss eine Grundvoraussetzung gegeben sein: die Konfliktpartner müssen ein gemeinsames Ziel verfolgen und daran glauben, dass dieses auch erreichbar ist. Richten wir unsere Aufmerksamkeit darauf, was wir gemeinsam erreichen wollen, rückt, was uns trennt, plötzlich in den Hintergrund. Und wenn dein Gegenüber und du dich nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen könnt, ist auch das in Ordnung, solange ihr Verknüpfungsmöglichkeiten findet. Es geht nicht darum, dass man sich ständig überglücklich im Arm liegt. Vielmehr geht es darum, gemeinsam weitermachen zu wollen.

Konfliktmanagement im Team

Nun, dieses Wissen wird dir nicht dabei helfen, Konflikte zu vermeiden. Soll es auch nicht. Deine Einstellung gegenüber Disputen, dein Mindset, stellt jedoch die Basis für konstruktives Konfliktmanagement dar. Wirst du dir bewusst, dass die Ansichtsweise einer anderen Person ein Ausdruck derer Individualität ist, kannst du lernen Konflikte wertzuschätzen, auch am Arbeitsplatz. 

Warte nicht darauf, dass deine Führungskraft schlichtet, sondern zeige deine Kompromissbereitschaft. Sture Esel sind im Team nicht willkommen. Konfliktmanagement beginnt bei dir – mit deinem Mindset. 

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