Agiles Mindset: Kommt deine innere Einstellung heute noch hinterher?

Agiles Mindset: Kommt deine innere Einstellung heute noch hinterher?

Was hat agiles Mindset mit nur „richtig wollen“ zu tun? Nun ganz einfach…

„Du musst das nur richtig wollen. Auf deine Einstellung kommt es an!“ – Wer hat diesen Spruch als Kind nicht gehört? Augenrollend drehst du dich von den Eltern weg und den Hausaufgaben wieder zu. Die Matheaufgabe ließ sich durchs „richtig wollen“ immer noch nicht lösen.

Wenige Jahre später, dein erster Job: Du füllst die Regale des heimischen Supermarktes auf. Erst die Gurken, dann die Milch, dann die Einwegrasierer, dann die Tomaten. Kurz überlegst du, wie viel schneller du doch wärst, würdest du erst das gesamte Gemüse einräumen, dann die Milchprodukte und später die Hygieneartikel. Der Gedanke verfliegt ganz schnell wieder. Die Anweisungen sind klar und hinterfragen ist nicht erwünscht.

Den ausgetretenen Pfaden zu folgen ist einfacher, als neue Wege zu finden. Und was kümmert es dich überhaupt? Am Ende des Monats bekommst du so oder so dein Geld. Diese Einstellung zieht sich durch dein Berufsleben. Plötzlich wird alles anders. Plötzlich ist von Agilität die Rede, von Eigenverantwortung, von Innovation. Es werden neue Konzepte und Strukturen eingeführt. Projekte werden in Scrums organisiert und dauern statt sechs nur noch drei Monate, Ziele ändern sich und neue Software findet den Weg in die neuen, modernen Arbeitslaptops. Im Meeting spricht plötzlich nicht mehr nur die Führungskraft, sondern jeder soll „out-of-the-box“ denken und sich kreativ beteiligen. Kommt deine Einstellung da noch hinterher? Lebst du bereits das agile Mindset, das von dir eingefordert wird?

Ein agiles Mindset ist gefragt, um die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt zu meistern.

Was verstehen wir eigentlich unter „Mindset“?

Jeder von uns hat eine andere Vergangenheit. Ich habe nicht das gleiche erlebt wie du und du hast wiederum andere Erfahrungen gemacht, als deine Kinder machen werden. Die Summe und Wechselwirkung unserer Werte, Prinzipien, Glaubenssätze und Erinnerungen bestimmt, wie wir in einer Situation denken. Was wir denken, das entscheidet wiederum darüber, wie wir uns verhalten.

Unsere Gedanken – und infolgedessen unsere Handlungen – sind demnach gewissermaßen voreingestellt. Genau hieraus lassen sich die beiden Begriffe herauslesen, aus denen das Wörtchen agiles Mindset zusammengesetzt ist: Mind, also unser Verstand, und Set, also die Zusammenstellung. Oder anders formuliert: „integrierte Denk- und Handlungslogik“.

Das Mindset eines jeden Menschen sieht anders aus und dient für jeden von uns als eine Art Filter, durch den wir die Realität betrachten. Sind du und ich in derselben Situation, bedeutet das noch lange nicht, dass wir diese gleich interpretieren und dieselben Entscheidungen treffen.

Fixed vs. Growth Mindset

Auch wenn ich soeben von deinem Mindset als deine „Voreinstellung“ sprach, meine ich damit nicht, dass du verdammt bist, für immer so zu denken, wie du es genau jetzt, in diesem Moment, tust. Das sieht aber nicht jeder so.

Laut der Stanford Professorin Carol Dweck können wir zwei Arten des Mindset unterscheiden: Das Fixed und das Growth Mindset.

Fixed Mindset oder statisches Mindset

Viele Menschen sind der Meinung, ihnen sei von Geburt an ein festgelegtes Blatt an Spielkarten zugeteilt worden. Einige Karten sind gut und einige weniger prickelnd, aber das Blatt neu zu mischen scheint nicht möglich. Wer dieses Mindset hat, der sagt sich: „Ich bin, wie ich bin. Ich kann daran eh nichts ändern.“ Diese Einstellung erzeugt das Gefühl, etwas Höherem oder aber sich selbst ausgeliefert zu sein.

Ein agiles Mindset kann kein statisches oder Fixed Mindset sein.

Growth Mindset oder Dynamisches Mindset

Wer sich selbst als dynamisch und entwicklungsfähig sieht, der hat ein Growth Mindset. Fehler und Feedback werden als Chance zur Weiterentwicklung gesehen und Herausforderungen sind nur allzu willkommen. Die Karten, die einem zur Geburt ausgehändigt wurden, sind eine Art Leitfaden, aber über den Ausgang des Spieles entscheiden sie nicht.

Ein agiles Mindset ist auch immer ein dynamisches oder Growth Mindset.

Was erfordert die neue Arbeitswelt?

In der alten Arbeitswelt und in manchen Berufsfeldern war ein statisches Mindset nicht unbedingt hinderlich. Ganz im Gegenteil! Viele Führungskräfte sind heute in ihrer Position, weil sie sich stets an die Regeln gehalten und immer alles „richtig“ gemacht haben. Sie haben stets den Anweisungen gefolgt und sich informiert, welche Fehler unbedingt vermieden werden sollten. Natürlich hat nicht jeder der hier beschriebenen Führungskräfte ein Fixed Mindset, aber alte Strukturen haben das Aufkommen neuer Ideen teilweise gar nicht zugelassen und jeden, der kreativ werden wollte, unterdrückt.

Heute sieht der ideale Mitarbeiter und der perfekte Vorgesetzte anders aus. Agil, also veränderlich soll er sein, sich anpassen können, kreativ werden und kooperativ im Team handeln. Passt das Denken der soeben beschriebenen Führungskräfte also noch zu den Anforderungen ihres Umfeldes? Nein. Ein Mindshift, ein Umdenken ist gefragt. Wie aber genau sieht das aus?

Agile Methoden brauchen ein agiles Mindset

Es tönt von allen Häuserdächern: Die neue Arbeitswelt ist hier. Digitalisierung, New Work, VUCA-Welt – Buzzwords machen die Runde und jede Führungskraft, die von sich behauptet, modern zu sein, will ganz vorn mitspielen. Da gibt es nur eine klitzekleine Hürde: Agile Methoden lassen sich ohne ein agiles Mindset nicht erfolgreich umsetzen. Ohne ein Umdenken verpufft alles, was du in deinem gedanklichen Werkzeugkoffer von der letzten Must-do-Schulung mitgebracht hast.

Die gute Nachricht: Eine Entwicklung des agilen Mindset ist möglich, nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt und angefangen bei dir selbst.

Wer die Welt verändern will, muss bereit sein, seine Komfortzone zu verlassen.

Einen guten Vergleich bietet uns das Silicon Valley: Hier gründeten Steve Jobs und Mark Zuckerberg ihre Unternehmen und revolutionierten mit ihnen die Welt. Was verbindet sie und die vielen anderen genialen Unternehmer aus dem Valley? Es ist eine ganz bestimmte Denkweise: Das agile Mindset.

Grundlage dafür sind Kreativität und Einfallsreichtum. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, über Grenzen hinaus zu denken – und die Bereitschaft, seine Komfortzone zu verlassen.
Bahnbrechende Neuerungen entstehen jedoch nie auf geraden Wegen oder über Nacht. Ebenso ist es mit dem agilen Mindset, aber dazu später mehr.

Deshalb ist auch Mut eine zentrale Eigenschaft der Pioniere aus dem Silicon Valley. Wer völlig neue Wege sucht, darf keine Angst vorm Scheitern haben. Und genau diese angstfreie, positive Einstellung zum Scheitern ist im Valley sehr verbreitet. Kaum eine Unternehmung war hier auf Anhieb erfolgreich. Nahezu alle Akteure mussten Rückschläge einstecken, haben aus Fehlern gelernt und sich neu aufgerappelt, bevor sie durchstarten konnten.

Nur mit dieser Haltung gelingt es, sein Mindset und seine Produkte nicht nur Schritt für Schritt, also inkrementell zu verbessern, sondern echte Innovationen zu erschaffen, also disruptiv zu agieren.

Beispiele für eine solche disruptive Entwicklung in der Vergangenheit sind die Erfindung des Rads, des Flugzeugs und des Internets. Auch das Start-up Uber, das seit 2009 weltweit den Taximarkt durcheinanderwirbelt, ist eine disruptive Innovation. Es vermittelt Transportdienste zwischen Fahrgästen und Haltern von Privatautos. Ein völlig neuer Ansatz, konsequent und global durchgesetzt – eine typische Idee, die durch ein agiles Mindset, entstehen kann.

4 Schritte hin zu einem agilen Mindset

Die folgenden vier Schritte wurden von der Management- und Karriereberaterin Svenja Hofert entwickelt.

Schritt 1 zum agilen Mindset: Selbstwahrnehmung

Wenn du mit Menschen arbeitest und sie entwickeln willst, dann schau zuerst in dich selbst hinein. Bist du der Meinung, du selbst kannst dich nicht verändern, dann wird es dir schwerfallen, eine Weiterentwicklung in deinen Mitarbeitern hervorzurufen.

Bist du eine der Personen, die immer alles „richtig“ machen möchte, dann habe ich einen Rat für dich: Mach dich mal locker! Du magst stets nach der perfekten Anleitung und dem unfehlbaren Plan suchen, aber du solltest lernen, dass keiner von uns vollkommen ist. Um innovativ neue Wege zu gehen, musst du auch ab und an falsch abbiegen.

Schritt 2 zum agilen Mindset: Selbstkenntnis

Hast du eine Mission? Folgst du bestimmten Werten? Ja? Gut so! Sie weisen dir die Richtung und können dir, wenn du dich auf sie besinnst, dein eigenes Handeln erklären. Du bestimmst, wie dein agiles Mindset, also der Filter, durch den du deine Realität wahrnimmst, aussieht. Du kannst nicht immer beeinflussen, in welcher Situation du dich befindest, aber du kannst immer entscheiden, wie du über sie denkst.

Sieh deine Werte und Prinzipien allerdings nicht als etwas Starres an und hinterfrage sie regelmäßig.

Schritt 3 zum agilen Mindset: Selbstaktualisierung

Werde dir bewusst, dass du kein Sklave deiner aktuellen Situation bist. Du kannst dich verändern, du kannst deine Werte neu ausrichten und dich weiterentwickeln.

Bitte deine Kollegen zum Beispiel um ein Feedback und lerne, konstruktive Kritik anzunehmen. Verlasse deine Komfortzone ab und an und in kleinen Schritten.

Schritt 4 zum agilen Mindset: Selbstentwicklung

In diesem Schritt gehst du, wenn nicht schon zuvor geschehen, vom Denken ins Handeln über. Was willst du dich tatsächlich verändern und wie? Setze dir Ziele und behalte dir vor, diese zu kalibrieren. Dann zieh los und mach!

Infografik - Was ist ein agiles Mindset und was braucht es?

Fazit – Feuer dein agiles Mindset an, damit es wieder in die Spur kommt

Die soeben genannten vier Schritte sind auf keinen Fall eine feste, starre Anleitung, denn damit wäre das gesamte Ziel dieses Beitrages verfehlt. Vielmehr sollen sie eine Inspiration sein, an dir selbst zu arbeiten und Dinge zu hinterfragen. Dein agiles Mindset macht den Unterschied.

Emotionsarbeit: Welche Gefühle sind im Arbeitsleben erlaubt?

Emotionsarbeit: Welche Gefühle sind im Arbeitsleben erlaubt?

Roboter lösen uns nach und nach ab. Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch. Früher musste ich mein Licht noch selbst ausschalten, heute macht das Alexa für mich. Sie schreibt übrigens auch meine Einkaufsliste, speichert meine Termine und spielt für mich eine Schnulze, wenn ich mal schlecht drauf bin. Nur erkennen, wie es mir geht, das kann sie noch nicht. Alexa fühlt nicht. Sie hat keine Emotionen, kein Auf und Ab. Sie weiß nicht, was Angst oder Glück ist.

Roboter mit Herzluftballon: Roboter leisten keine Emotionsarbeit

Auch Sebastian ist wie Alexa. Nein, nicht klein und rund, sondern wie ein Roboter. Bei der Arbeit zumindest. Dort muss es schließlich professionell zugehen.

Sebastian führt seit fünf Jahren ein Team von 25 Mitarbeitern in einem Versicherungsunternehmen. Zwar verbringt er täglich viel Zeit mit seinen Kollegen, aber er kennt sie nicht wirklich. Er versucht, sich immer möglichst seriös zu geben und ist stets darauf bedacht, respektiert zu werden. Sebastian ist ein Manager. Er weiß, was bis wann fertig sein muss, er kennt die Zahlen des letzten Quartals aus dem Kopf und rümpft die Nase, wenn jemand zehn Minuten zu spät kommt. Er weiß aber auch, wann er lächeln sollte und dass er den Kopf in Empathie neigen muss, wenn ihm eine Mitarbeiterin erzählt, dass ihr Mann beim Schneiden der Hecke von der Leiter gefallen ist.

Es ist nicht so, dass Sebastian keine Gefühle hat. Die haben wir schließlich alle. Sebastian meint nur, er dürfe im Job nur die Gefühle zeigen, die von ihm verlangt werden.

Wahre, raue Emotionen gehören nicht in die Arbeitswelt. Wer die eigenen Gefühle zeigt, der ist schwach und verletzlich, der wird weniger respektiert. Außerdem können Emotionen auch ganz schnell einmal die klare Sicht verschleiern und somit rationales Entscheiden erschweren.

Sebastian übernimmt also nicht nur Führungs-, sondern auch Emotionsarbeit.

Gefühle zeigen: Emotionsarbeit bei Führungskräften

Was ist Emotionsarbeit?

Jeder Job bringt ein gewisses Portfolio an Erwartungen mit sich. Ein Flugbegleiter soll auch dann lächeln, wenn ein Kleinkind andauernd den Gang versperrt, eine Altenpflegerin soll ermutigend und eine Führungskraft inspirierend und selbst motiviert sein. Um diese Erwartungen zu erfüllen, leisten viele von uns – eigentlich wohl jeder – Emotionsarbeit.

Die amerikanische Soziologin A. R. Hochschild verwendete diesen Begriff zuerst. Sie versteht darunter die Beeinflussung der eigenen Gefühle, so dass Mimik, Gestik und unsere Kommunikation mit den an uns gestellten Erwartungen übereinstimmen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob unser Verhalten mit unseren inneren Empfindungen übereinstimmt oder nicht.

Von Sebastian wird zum Beispiel erwartet, dass er erfolgshungrig ist. Das hat man ihm bei der Beförderung so gesagt. Das war ein Kriterium, weshalb er eingestellt wurde. Nun fürchtet er sich vor jedem Meeting mit seinem Chef, weil er weiß, dass er dort diese Gefühle zeigen muss – und hat sie eigentlich gar nicht. Derzeit fehlt ihm ganz einfach die Motivation, um Innovation vorantreiben zu wollen.

Emotionsarbeit klingt irgendwie stressig, oder? Ist es auch!
Viele Mitarbeiter und Führungskräfte meinen, ihre eigentlichen Emotionen seien bei der Arbeit nicht gefragt oder nicht einmal erlaubt. Ist das so?

Emotionsarbeit : Gefühle liegen wie bei einem Eisberg unter der Oberfläche

Sind Gefühle in der Arbeitswelt erlaubt?

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen positiven und negativen Gefühlen. Damit ist aber nicht gemeint, dass es gute und schlechte Emotionen gibt. Die Natur hat uns so ausgestattet, dass jedes unserer Gefühle ein bestimmtes Ziel verfolgt. Sie sind das Bindeglied zwischen einer Beobachtung und einer darauf ausgerichteten Reaktion. Standen einem unserer Vorfahren vor Furcht die Nackenhaare hoch, dann war der Säbelzahntiger wahrscheinlich nicht weit. Angst macht uns aufmerksamer, Freude macht uns energiegeladen und Zorn entschlossen.

Diese Reaktion wurde von der Natur so vorprogrammiert und unsere Nerven im Gehirn entsprechend so verdrahtet. Paul Ekman, ein US-amerikanischer Psychologe, hat herausgefunden, dass es sieben primäre, angeborene Reaktionsmechanismen gibt, die wir durch unser limbisches System ganz automatisch zeigen. Martin Hess, ein deutscher Unternehmensberater, erklärt im folgenden Videoausschnitt anschaulich, welche das sind und warum auch negative Gefühle ihren Zweck haben.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Gefühle zeigen: Ja, aber bitte die richtigen

Wie aber sieht es mit Traurigkeit, Frustration und Angst am Arbeitsplatz aus? Hast du schon einmal eine Kollegin bei der Arbeit weinen sehen? Überlege dir mal, was du dir in dem Moment gedacht hast. Warst du empathisch oder dachtest du: „Mensch, die soll sich aber jetzt mal zusammenreißen“? Kam dir Letzteres in den Sinn, so ist es dir auf keinen Fall zu verübeln. Uns wird schon von Kindheit an erzählt, dass Indianer keinen Schmerz kennen, Jungs nicht weinen und Mädchen nie die Beherrschung verlieren.

Negative Gefühle sind tabu! Lächelnd am Schreibtisch sitzen und dann in die Toilette verschwinden, um sich erst einmal richtig auszuheulen? Das Glas immer halb voll, statt halb leer anzusehen. Auch darüber sprach Martin Hess in seinem Vortrag.

Keine Frage, negative Emotionen sind nichts Angenehmes, weder für denjenigen, der sie zeigt, noch für diejenige, die auf sie reagieren muss. Aber: Auch Angst und Ärger müssen raus, sonst kommt es zum Gefühlsstau. Wer Stress und Frust zu lange mit sich herumträgt und dann noch gegenteilige Emotionsarbeit leisten muss, der wird diesen Druck früher oder später nicht nur mental, sondern auch körperlich spüren. Emotionaler Stress kann zu Burn-out und Depressionen führen, und dann bröckelt auch die Fassade, die man dank anstrengender Emotionsarbeit aufgebaut hat.

Emotionsarbeit: Gefühle bei der Arbeit nicht erlaubt

Wir sind alle Menschen – Gefühle gehören dazu

Fakt ist: Wir sind alle Menschen und Gefühle gehören nun einmal zum Menschsein dazu. Wir mögen denken, dass wir nur rational entscheiden, aber Neurowissenschaftler haben unlängst herausgefunden, dass das Emotionszentrum (limbische System) in unserem Gehirn für sämtliche Entscheidungen verantwortlich ist. Es wirkt wie eine Art Filter, ob und welche Informationen an die höheren Hirnregionen weitergeleitet werden. Ausgeschüttete Hormone, also Botenstoffe, werden über die Nervenbahnen weitergeleitet und von Zellen in den entsprechenden Körperregionen aufgenommen. Unsere Entscheidungen beeinflussen dann wiederum unser Verhalten.

Stellen wir uns vor, du stehst auf der Mitte der Straße und siehst, wie ein Auto auf dich zurast. Möglicherweise kann dein analytisches Bewusstsein die Zeit bis zum Zusammenprall einschätzen, aber das lässt dich noch nicht reagieren. Ganz automatisch bekommst du auch Angst. Du könntest dich verletzen, wenn nicht sogar sterben. Dieses Gefühl ist die treibende Kraft und Motivation, damit du dich schnellstens von der Fahrbahn und somit aus der Gefahrenzone bewegst. Gefühle haben deine Energie in die richtigen Bahnen gelenkt und dein Handeln beeinflusst.

Die Macht der Gefühle beeinflusst unser Handeln

Ohne Emotionen kommt Energie also oft nicht da an, wo sie gebraucht wird. Auf den Arbeitsalltag übertragen bedeutet dies, dass sich zum Beispiel Konflikte nur durch rein logisches Denken nicht lösen lassen werden. Damit wir der Situation angemessen handeln und Beziehungen aufbauen können, müssen wir in der Lage sein, unsere wahren Emotionen zu zeigen. Wer dies nicht tut, wirkt schnell gekünstelt, kontrolliert und wenig sympathisch.

Die Arbeitswelt braucht Gefühle

Auch wenn wir mittendrin stecken, im digitalen Wandel: Authentizität ist heute wichtiger denn je. In einer Zeit, in der sich die Welt immer schneller zu drehen scheint, sucht man nach Ankerpunkten – Routinen, Menschen, denen man vertrauen kann.

Wie gewinnst du das Vertrauen einer anderen Person? Indem du ehrlich und aufrichtig bist, indem du zuhörst und … Gefühle zeigst. Roboter, Computer, Geräte mit künstlicher Intelligenz können nicht fühlen, und manche Aufgabe, mancher Konflikt lässt sich nur durch Gefühle lösen, nicht zuletzt, weil immer Kommunikation im Spiel ist.

Inspiration braucht ebenfalls Emotionen. Willst du deine Mitarbeiter so richtig begeistern, willst du sie mitreißen, dann musst du sie deine eigene Leidenschaft spüren lassen. Erst wenn du einen Funken auf deine Kollegen überspringen lässt, könnt ihr gemeinsam ein Feuer entfachen.

Stimmt die Kommunikation und wird offen mit Emotionen umgegangen, gibt es außerdem weniger Missverständnisse und Fehlinterpretationen. Wenn du dir bei einer Sache unsicher bist, kannst du das gern zugeben. Keiner von uns ist perfekt und deine Mitarbeiter werden sich ungemein wertgeschätzt fühlen, wenn du sie um Hilfe bittest oder nach ihrer Meinung fragst.

Was meinst du – wäre Innovation ohne Gefühle möglich? Wohl kaum! Um voranzukommen, brauchen wir Neugierde, wir brauchen Konflikte und Authentizität.

Gefühle sind immer Spiel.

Fazit: Gefühle in der Arbeitswelt sind nicht nur erlaubt, sondern auch gefragt.

Authentizität vs. Gefühlsmanagement

Nun muss aber klargestellt werden, dass wir keine Sklaven unserer Emotionen sind. Du hast noch lange keinen Freifahrtschein, um die Kollegin, der ein Fehler unterlaufen ist, vor Wut anzuschreien und deinen Schuh gegen die Wand zu werfen.

Im Arbeitsalltag, aber auch im Privatleben ist eine gewisse Souveränität gefragt und Konflikte sollten stets distanziert betrachtet werden. Allzu starke Gefühlsausbrüche beeinflussen zwischenmenschliche Verhältnisse und im Kollegenkreis kann das verheerend sein. Wir können authentisch und uns trotzdem unserer Rollen bewusst sein. Das hat eine ganze Menge mit Selbstwahrnehmung zu tun.

Wenn du weißt, wer du bist und wie du wirkst, lernst du deine Gefühle zu kontrollieren. Hast du dich mit deinen Stärken, Prinzipien und Werten beschäftigt, weißt du ganz genau, welche Bedürfnisse und Wünsche du nach außen transportieren kannst, ohne die Selbstkontrolle zu verlieren.

Betrachte deine Gefühle in der jeweiligen Situation als Art Information und gewinne so erst einmal einen gewissen Abstand. Du bist wütend? Gut! Atme durch! Schau zweimal hin! Hast du deine Emotion wahrgenommen, so kannst du sie auch beeinflussen. Damit meine ich nicht, dass du dich verstellen oder sie verstecken sollst. Beschäftige dich stattdessen mit der Ursache für dein Gefühl und übernimm die Verantwortung für dein Innenleben!

5 Tipps für mehr Gefühle am Arbeitsplatz

 

1. Lerne deine Gefühlswelt kennen!

Gefühle kommen, Gefühle gehen. Viel zu selten beschäftigen wir uns ehrlich mit uns selbst und hinterfragen, warum wann welche Emotionen hochkochen. Eine gesunde Selbstwahrnehmung ist die Basis emotionaler Intelligenz. Erst wenn du deine Gefühle erkennen kannst, wirst du auch in der Lage sein, sie zu kontrollieren.

2. Trainiere deine Empathie!

Erinnerst du dich an Sebastian, der seinen Kollegen Empathie nur vorspielte? Meint er wirklich, die Mitarbeiterin würde nicht bemerken, dass er sich nicht ernsthaft für sie interessiert? Und wie geht es Sebastian, der diese Emotionsarbeit liefern muss? Statt dem Empathie-Theater könnte sich Sebastian auch ganz ehrlich in die Schuhe seiner Kollegin versetzen. Versuchte er, ihre Sorgen zu verstehen, dann würde ihm klar, warum sie unkonzentriert ist, und er könnte seine Hilfe anbieten.

3. Bleib neugierig!

Neugierde ist der Schlüssel zu Innovation und zu Veränderung. Frag nach! Höre nie auf zu lernen! Erkundige dich nach dem Wochenende deiner Kollegen! Initiiere eine Ideen-Runde, in der jeder kreativ werden darf.

4. Sei konsequent!

Nichts zerstört Vertrauen schneller als Inkonsequenz. Verhalte dich so, wie du es von anderen erwartest und akzeptiere die Ecken und Kanten deiner Kollegen. Willst du mehr Gefühle bei der Arbeit zeigen, dann musst du auch mit den Gefühlen anderer umgehen können. Übe dich darum nicht nur darin, Kritik auszuteilen, sondern sie auch anzunehmen.

5. Der Ton macht die Musik!

Möchtest du deine Gefühle kommunizieren, so achte auf deine Worte! Bleibe respektvoll, wertschätzend und hinterfrage das Verhalten anderer!

Am Ende des Tages sind wir alle Menschen – auch Sebastian. Würde er seinem Chef sagen, was ihm bei der Arbeit fehlt, um motiviert zu sein, könnten Veränderungen eingeleitet werden. Würde er ab und an mehr über sich selbst lachen, käme das bei seinen Kollegen sicher gut an. Würde er Unsicherheiten zulassen und seine Mitarbeiter um Rat fragen, wären diese bestimmt ganz neu motiviert. Führungswirksamkeit ist an emotionale Reife gekoppelt und die ist erlernbar.

Deshalb: Werde dir deiner Gefühle bewusst und traue dich, sie zu zeigen!

Aufgaben einer Führungskraft: Was macht eine Führungskraft wirklich?

Aufgaben einer Führungskraft: Was macht eine Führungskraft wirklich?

Letztens auf der Familienfeier: Beim Abendessen sitze ich meinen beiden Neffen gegenüber. Beide machen derzeit eine Ausbildung in Handwerksberufen und meckern kräftig über Rotkohl und Klöße. „Mein Chef, der sitzt nur rum. Der macht den ganzen Tag gar nichts und verlangt dann von mir, dass ich auch noch die Abrechnung übernehme. Dabei wäre das doch sein Job”, sagt Max. Fabian stimmt ein: „Bei meinem Boss ist das genauso. Ich würde gern mal wissen, was der den lieben langen Tag macht. Der steht doch nur rum, trinkt Kaffee und quatscht.”

Ich sitze da, lausche und mache mir meine Gedanken. Es gibt zwei mögliche Erklärungen für die Situation, in der sich Fabian und Max befinden. Entweder sollte ihren Vorgesetzten die Unzufriedenheit ihrer Mitarbeiter einmal vor Augen gehalten werden oder aber ihnen müsste erklärt werden, welche Aufgaben eine Führungskraft oder ein Manager hat. Möglicherweise fehlt das Bewusstsein für die Verantwortung, die eine Führungsposition mit sich bringt, möglicherweise ist die Unterscheidung zwischen Führungskräften und Managern nicht ganz klar, möglicherweise stimmt an der offenen Kommunikationskultur im Unternehmen etwas nicht, möglicherweise haben Fabian und Max sich noch nie wirklich dafür interessiert, was der Chef eigentlich macht und sie suchen nur einen Schuldigen für ihre Unzufriedenheit. Wer Erwartungen hat, der schafft automatisch Rollen für einen anderen.

 

Weisst Du, was die Aufgaben einer Führungskraft wirklich sind?

 

 

Was sind die Aufgaben einer Führungskraft?

Kontrollieren, organisieren, koordinieren, planen, inspirieren, delegieren, führen, weiterentwickeln, unterstützen … Zähle doch einfach einmal auf, was du alles von einem guten Chef erwartest. Mitarbeiter wünschen sich einen authentischen Vorgesetzten, der Klartext spricht und jeden am Geschehen in der Firma teilhaben lässt. Sie wollen gelobt werden, wollen Ziele, aber auch Freiheiten. Mitarbeiter – wir alle – wollen, dass man uns zuhört und Empathie zeigt. Wir wollen gefordert, unbedingt aber auch fair entlohnt werden. Wir haben Erwartungen.

Doch wie sieht die Realität aus? Fakt ist, dass selbst vielen Führungskräften nicht ganz klar ist, welche Aufgaben sie eigentlich haben. Sie kommen am Morgen ins Büro, klappen den Laptop auf und beantworten erst einmal E-Mails. Die Flut an Anrufen, Anfragen und Nachrichten bricht nicht ab. Das Mittagessen wird am Schreibtisch hinuntergeschlungen, um keine Zeit „zu verschwenden”. Da gilt es, die täglichen Routinearbeiten zu erledigen, aber auch, die Mitarbeiter und das Unternehmen weiterzuentwickeln. Am Abend knipst dann der Vorgesetzte als Letzter das Licht aus, zieht die Tür zu und atmet einmal tief durch. Wieder ein Tag geschafft.

 

Eine Führungskraft hat zahlreiche Aufgaben, die unter einen Hut gebracht werden wollen. Hierbei gibt es Unterschiede in den Aufgabenbereichen bei Managern und Führungskräften.

 

Natürlich kann hier nicht verallgemeinert werden. Jede Branche bringt andere Anforderungen mit sich, jedes Unternehmen ist unterschiedlich gewachsen und hat verschiedene Hierarchiestrukturen. Nicht zuletzt sind wir alle nur Menschen mit Emotionen und mit 24 Stunden, die uns pro Tag zur Verfügung stehen. Wir brauchen Schlaf, Wasser und Licht, um zu überleben, und zwischenmenschliche Beziehungen und Erfolge, um glücklich zu sein. Was auch immer eine Führungskraft macht, sie wird es nur schwerlich immer jedem recht machen können. Muss sie das denn aber?

Der Unterschied zwischen einem Manager und einer Führungskraft

In der Theorie gibt es eine klare Abgrenzung der Aufgaben einer Führungskraft und denen eines Managers. Während beim Management die Erreichung eines Zieles durch Planung, Organisation und Kontrolle im Mittelpunkt steht, geht es beim Führen darum, Mitarbeiter zu beeinflussen, zu unterstützen und weiterzuentwickeln.

Ein Manager ist für die sachlich-abstrakten Faktoren verantwortlich. Er oder sie beschäftigt sich mit Budgets, Controlling, Planung und Organisation.

Eine Führungskraft ist hingegen für die emotional-menschlichen Faktoren zuständig. Er oder sie fokussiert sich auf das Stiften von Sinnhaftigkeit, auf die Definition der Unternehmenswerte und die Inspiration der Mitarbeiter.

 

Was ist der Unterschied zwischen einer Führungskraft und einem Manager?

Es ist also klug, zwei verschiedene Personen mit unterschiedlichen Charakteren anzustellen. Der eine organisiert, kontrolliert und plant, der andere entdeckt Neuland und kümmert sich um die Herausforderungen, vor dem Unternehmen und Mitarbeiter stehen. In der Praxis ist dies nicht immer möglich, und so stehen viele Führungskräfte vor der Aufgabe, beides zu tun: zu managen und zu führen. Wie lässt sich beides unter einen Hut bringen? Indem man in unterschiedliche Rollen schlüpft.

Authentizität vs. Rollenspiel

Eine Führungsposition bringt ganz unterschiedliche Anforderungen mit sich, die es erforderlich machen, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Wir Menschen machen genau das ständig – nicht nur im Arbeits-, sondern auch im privaten Umfeld. Schließlich haben unsere Kinder andere Erwartungen an uns als unsere Freunde, Nachbarn, unser Bruder, der Fußballtrainer und der Lehrer. Manche Rollen übernehmen wir gern, andere eher ungern. Manchen können wir gerecht werden, anderen nicht.

Um glücklich zu sein und authentisch leben zu können, ist es wichtig, sich mit den Rollen auseinanderzusetzen, die man übernimmt oder denen man ausgeliefert ist. Stress kann zum Beispiel dann entstehen, wenn wir ganz mit unserer Rolle verschmelzen und zum Beispiel nur noch Führungskraft sind. Konflikte entstehen, aber eben auch dann, wenn wir uns weigern, eine Rolle anzunehmen. Wurde jemand zum Beispiel zum Manager befördert, nimmt aber weiterhin „nur” die Rolle des Mitarbeiters ein, so wird das Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Kollegen haben.

 

Eine Führungskraft nimmt zahlreiche unterschiedliche Rollen ein.

 

7 „Rollen“ einer Führungskraft

Leader

Inspirieren kann nur, wer wirklich Leidenschaft für eine Sache zeigt. Zu den Hauptaufgaben einer Führungskraft gehört es, den Mitarbeitern die Vision, die Ziele, Strategien und die Werte eines Unternehmens zu vermitteln. Wer sich in genau diesen selbst wiederfindet, der wird motiviert auf die Unternehmensziele hinarbeiten. Zur Personalführung gehört außerdem das Einstellen und Schulen neuer Kollegen, Feedbackgespräche, der Aufbau positiver Beziehungen zu den Mitarbeitern und das Anbieten von Unterstützung.

Galionsfigur

Du repräsentierst als Führungskraft dein Unternehmen, deine Abteilung, dein Team und dessen Leistungen.

Vorbild

Als Führungskraft solltest du stets mit gutem Vorbild vorangehen. Das bedeutet nicht, dass du immer perfekt sein musst. Das ist schließlich keiner von uns.
Entscheidend ist aber, wie wir mit unseren Schwächen, wie wir mit Fehlern und Unwissen umgehen. Ziehst du andere zu Rate? Gibst du einen Fauxpas zu? Übernimmst du Verantwortung für dein Handeln?

Radarschirm und Sender

Kommunikation und somit der Austausch von Informationen ist für Führungskräfte unabdingbar. Führungskräfte sprechen mit Mitarbeitern und dem Vorstand, suchen und finden ständig neue, innovative Ideen; sie pflegen professionelle Netzwerke und geben die gesammelten Informationen an entsprechende Stellen weiter.

Unternehmer

Fühlt sich jeder Angestellte – die Führungskraft eingeschlossen – als Mitunternehmer, so werden alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Hierfür müssen Entscheidungen getroffen werden, jeder muss sich weiterentwickeln und Verbesserungen für bestehende Prozesse finden. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, Erfolge gemeinsam zu feiern und jeden einzelnen in die Geschehnisse im Unternehmen einzubeziehen. Wie sieht es bei dir aus? Wie kannst du deine Mitarbeiter zu Mitunternehmern machen?

Verhandlungsführer und Vermittler


Auch wenn es uns nicht unbedingt bewusst ist: Wir verhandeln und vermitteln ständig. Als Führungskraft ist es deine Aufgabe, mit dem Vorstand über Ressourcen und mit den Mitarbeitern über Gehalt und Positionen zu verhandeln. Du vermittelst zwischen verschiedenen Personen und deren Erwartungen, zwischen verschiedenen Denk- und Sichtweisen. In manchen Unternehmen zählt auch der Kontakt mit wichtigen Kunden und Partnern zum Aufgabengebiet der Führungsriege.

Problemlöser


Konflikte, Krisen, Fehler und Herausforderungen sind unvermeidbar und das ist auch okay so. Wir lernen aus schwierigen Situationen und sie geben uns die Chance, innovative neue Lösungen für unser Unternehmen zu finden. Eine konstruktive Fehlerkultur, die gute Zusammenarbeit im Team und lösungsorientiertes Denken ist hierbei Voraussetzung, um ein Schiff sicher durch jeden Sturm zu segeln.

Neben diesen kann eine Führungskraft natürlich noch weitere Rollen und somit auch Aufgaben übernehmen. Abhängig ist dies immer von den Erwartungen, die seitens des Vorstandes und der Mitarbeiter gestellt werden. Auf diese Anforderungen hast du als Führungskraft in der Regel keinen Einfluss. Du kannst nur entscheiden, wie du mit deiner Rolle umgehst, ob du sie akzeptierst und dich mit ihr wohl fühlst. Hier ist eine gesunde Selbstwahrnehmung gefragt. Frag dich selbst, ob du dir all deiner Rollen bewusst bist und wie du sie anderen vermittelst!

Sind sich Max und Fabian der Rollen ihrer Führungskräfte bewusst? Wahrscheinlich nicht.

 

Luft, Licht und Lärm: Auf die Arbeitsatmosphäre kommt es an

Luft, Licht und Lärm: Auf die Arbeitsatmosphäre kommt es an

Kürzlich habe ich gelesen, dass Menschen in wohlhabenden Ländern durchschnittlich 90 Prozent ihrer Lebenszeit in geschlossenen Räumen verbringen. War dir das bewusst?

Viele von uns arbeiten in Büros oder von zu Hause aus. Viele von uns haben ihre eigenen „vier Wände“, in denen wir die Freizeit auf der Couch, in der Küche oder aber im Bett verbringen. Selbst Sport treiben wir heute vermehrt in geschlossenen Räumen.

Architekten und Designer müssen heute die Gebäude an unsere veränderten Lebensgewohnheiten anpassen, in denen die Qualität der Luft und des Lichts eine große Rolle spielt. Sind wir über einen langen Zeitraum hinweg schlechter Luft, künstlichem Licht und Lärm ausgesetzt, so kann dies negativen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser physisches Wohlbefinden haben. Unsere neuen Gewohnheiten erfordern neue Konzepte, eine neue Gestaltung unseres Wohn- und Arbeitsraumes.

Doch gerade wenn es um die Temperatur und den Geräuschpegel im Büro geht, sind die subjektiven Wahrnehmungen oft sehr unterschiedlich. Dabei ist es für die Leistungsfähigkeit, Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeiter ausschlaggebend, in einer angenehmen Umgebung zu arbeiten – und hierauf kann das Raumklima, Licht und Lärm einen großen Einfluss haben.

 

Wie beeinflusst unsere Arbeitsatmopshäre unsere Konzentration und Produktivität?

Luft – Innen schmutziger als außen

Das Harvard Center für Gesundheit und globale Studien der Umwelt hat herausgefunden, dass eine überdurchschnittliche Belüftung von Büroräumen mit natürlicher Luft von außen, die kognitiven Fähigkeiten der Mitarbeiter um 40 Prozent verbessert – ganz einfach durch die Reduzierung der Schadstoffe in der Luft.

Alle Aktivitäten des täglichen Bürolebens, das Arbeiten an Computern, das Kochen in der Kantine, selbst unser Atmen belasten die Raumluft. Hinzu kommt, dass Reinigungsmaterialien, Plastik oder verwendete Baustoffe unter Umständen toxische Schadstoffe absondern. Um Allergien zu vermeiden, um gesund, aber auch leistungsfähig und konzentriert zu bleiben, sollte der Belüftung aller Räume, in denen wir uns regelmäßig aufhalten, eine große Bedeutung beigemessen werden.

Um natürliche Belüftung nachzuahmen, müssen mechanische Systeme pro Person und Stunde 30 Kubikmeter frische Luft zur Verfügung stellen können. Eine Herausforderung ist natürlich die Bereitstellung und Verteilung dieser großen Menge Luft, eine andere ist zudem die Kontrolle der Temperatur. Keine leichte Aufgabe – dem einen ist es zu kalt, dem anderen zu warm, wieder ein anderer will Frischluft. Arbeitest du selbst in einem Büro mit Kollegen, kommt dir diese Diskussion wahrscheinlich sehr bekannt vor.

Die optimale Lufttemperatur hängt stark von der Tätigkeit ab, die wir ausüben. Im Büro, also bei einer sitzenden Tätigkeit, liegt die optimale Temperatur zwischen 18 und 24 °C. Im Durchschnitt werden 21 °C als Raumtemperatur am angenehmsten empfunden.

 

Licht – Glücksfaktor, der die Konzentration fördert

Unsere Augen leisten täglich so einiges. Büroarbeit ist Schwerstarbeit. Sie wechseln vom Monitor zu den Unterlagen neben dir, von der Tastatur hin zum hellen Dokument auf deinem Bildschirm – über zehntausend Mal pro Tag springt der Blick hin und her. Stimmt die Beleuchtung am Arbeitsplatz nicht, kann das nicht nur gesundheitliche Folgen haben, sondern auch der Konzentration und Leistungsfähigkeit schaden.

Darüber hinaus ist die Versorgung mit ausreichend natürlichem Licht ein wichtiger Faktor zur Verbesserung unseres mentalen Wohlbefindens.

Du kennst es sicher selbst: Wenn die Sonne im Herbst oder Winter für ein paar Tage von dicken Wolken verdeckt wird, setzt bei mir viel schneller die Müdigkeit ein. Ich fühle mich ausgelaugt, will lieber auf der Couch bleiben, statt im Fitnessstudio zu schwitzen und habe selbst auf soziale Kontakte, einem Treffen mit Bekannten und Freunden, weniger Lust. Licht gibt uns Energie, Licht macht uns zufriedener, glücklicher.

In den skandinavischen Ländern, aber auch in Kanada – überall, wo die Winter lang und dunkel sind – statten sich Menschen mit Tageslichtlampen aus. Die kleinen, hübschen Stehlampen verbreiten ein warmes, angenehmes Licht, dass nachweislich die Stimmung hebt und miese Laune vertreibt.

Natürlich ist in vielen Büroräumen der Einsatz von künstlicher Beleuchtung nicht vermeidbar. Vor allem in älteren Gebäuden, in denen die Räume groß und weitläufig, Fenster aber eher klein sind, reicht das natürliche Licht nicht aus. Möglichen negativen Folgen künstlicher Beleuchtung kann mit der Verwendung von sogenannter circadianer Beleuchtung gegengewirkt werden. Am Morgen geht von diesem System ein warmes, rötliches Licht aus, das im Laufe des Tages heller und bläulich und am Abend gedimmt wird. Diese Methode passt sich ganz dem natürlichen Zyklus des menschlichen Körpers an und sorgt dafür, dass man abends besser einschlafen kann. Wer guten und genügend Schlaf bekommt, ist während des Tages produktiver.

Nachdem CBRE 2018 im Rahmen einer „Gesund im Büro“-Studie circadiane Beleuchtung installierte, gaben 71 Prozent der Teilnehmer an, sich energiegeladener zu fühlen. 18 Prozent waren sogar der Meinung, einen Anstieg ihrer kognitiven Leistung spüren zu können.

Wer allerdings direkt neben einem Fenster sitzt, sollte Vorhänge oder verstellbare Jalousinen nutzen, um Reflektion auf dem eigenem Bildschirm zu vermeiden, die den Augen schaden könnte.

 

Geräusche – Soundmasking für weniger Ablenkung

In der einen Ecke des Büros wird gemurmelt und gelacht, neben dir hört der Kollege so laut Musik, dass sie durch seine Kopfhörer dringt. Jemand steht auf, jemand geht zum dritten Mal in einer halben Stunde zur Toilette – Hintergrundgeräusche lenken ab und beeinflussen Mitarbeiter stark. Oxford Economics befragte 1.200 Büroangestellte. 53 Prozent, mehr als die Hälfte, gaben an, ihre Produktivität und Zufriedenheit werde durch Geräusche eingeschränkt. Deshalb sollten vor allem in Büros, in denen viel telefoniert und getippt wird, Maßnahmen eingeleitet werden, die den Lärm- und somit auch den Stresspegel der Mitarbeiter reduzieren. Architekten stehen vor der Herausforderung, eine kommunikative Umgebung zu schaffen, in der sich Mitarbeiter zwar miteinander austauschen können, aber die Konzentration auf die eigene Arbeit möglich ist.

Ein Lösungsansatz ist es, Hintergrundgeräusche elektroakustisch zu beeinflussen und durch natürliche Sound-Wellen zu überlagern. Die Idee des Soundmasking ist es, störende Geräusche durch angenehme zu ersetzen. So wird der Grundgeräuschpegel erhöht und man hört die Lüftung, die Gespräche der Kollegen, das Tippen der Nachbarn nicht mehr. Klingt erst einmal widersprüchlich, oder? Geräusche mit Geräuschen ertragbarer machen.

Tatsächlich hat eine Studie von DeLoach, Carter und Braasch aus dem Jahre 2015 herausgefunden, dass Soundmasking mit natürlichen Geräuschen die kognitiven Fähigkeiten derer erhöht, die ihnen ausgesetzt sind.

Nun ist es natürlich Ansichtssache, wer welche Musik als angenehm empfindet. Das gleiche gilt für das Raumklima – der eine mag es wärmer, der andere kühler. In einem Büro, an jedem Arbeitsplatz, in jeder zwischenmenschlichen Beziehung ist gegenseitige Rücksichtnahme gefragt. Wenn wir anderen zuhören und offen und ehrlich ansprechen, was uns stört, können Konflikte konstruktiv gelöst werden – auch wenn es um die Frage „Fenster auf oder zu“ geht.

 

Wie sieht’s bei euch aus?

Wie sieht die Beleuchtung, Belüftung und der Geräuschpegel in deinem Unternehmen aus? Habt ihr innovative Konzepte, die Mitarbeiter positiv beeinflussen und die Konzentration steigern? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

Warum du vielleicht nicht für die Führungsposition geschaffen bist

Warum du vielleicht nicht für die Führungsposition geschaffen bist

Du liebst deinen Job? Bist motiviert, kompetent und ehrgeizig? Dann bist du der perfekte Kandidat für eine Führungsposition, oder? Ein Team zu managen würde bedeuten, du kannst dein Wissen teilen und andere mit deiner Arbeitsfreude anstecken.

Moment mal – es gibt da doch die ein oder andere Herausforderung, die eine Führungsposition mit sich bringt. Während deines Arbeitsalltags wirst du nur wenig darauf vorbereitet, was es heißt, Führungskraft in unserer schnellen, modernen und digitalen Welt zu sein.

Auch wenn die Rolle eines Vorgesetzten natürlich erst einmal deinem Ego und möglicherweise auch deinem Portemonnaie gut tut, ist sie es vielleicht nicht wert.Tatsächlich streben laut einem Artikel der ZEIT immer weniger junge Berufseinsteiger eine Führungsposition an. Lebenszeit, Familie und Freunde sind ihnen wichtiger als Karriere. Keine Lust auf Überstunden, Stress und weniger Freizeit und stattdessen einen Job finden, der wirklich Spaß macht und bei dem genügend Energie und Zeit für das Private übrig bleibt.

In einer Führungsposition kann es sein, dass du dich gezwungen fühlst, zwischen Karriere und Freizeit zu entscheiden.

Ich bin zwar ein Verfechter von Ehrgeiz, von dem Willen, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen, nur bin ich der Meinung, dass es am Ende des Tages trotz allem um das eigene Arbeits-(Glück) geht. Macht dich eine Führungsposition nicht glücklich, dann ist sie nichts für dich und du nichts für sie.

5 Gründe, warum eine Führungsposition vielleicht nichts für dich ist

Grund 1: Du bist nicht mehr nur für dich verantwortlich

Du bist vielleicht ein super Designer, richtig gut mit Excel-Listen und kompliziertem HTML-Code, aber von Führung hast du keine Ahnung. Du weißt nicht, wie du ein Team anleitest, anderen hilfst, sich weiterzuentwickeln und mithilfe deiner Kollegen Ziele erreichst.

Versetze dich einmal in die Situation, die dich bei der Geburt deines ersten Kindes erwartet oder erwartet hat. Der Fokus deines Lebens hat sich verschoben. Plötzlich geht es nicht mehr nur um deine eigenen Bedürfnisse, sondern die eines anderen kleinen Lebewesens. So sehr du auch versucht hast, dich vorzubereiten, jetzt befindest du dich direkt in dieser neuen Situation, in diesem Wechsel und musst in sehr kurzer Zeit sehr viel lernen. Du musst lernen, ein Elternteil zu sein.

Sehr ähnlich verhält es sich, wenn du von der Rolle eines „normalen” Angestellten in eine Führungsposition wechselst. Du musst einen komplett neuen Beruf lernen, auf den du höchstwahrscheinlich – wie beim Eltern werden – trotz zahlreicher Fachbücher erst einmal nur mäßig vorbereitet bist. Es geht nicht mehr nur darum, deine Aufgaben zu erledigen, sondern auch menschliche Probleme zu lösen, zu motivieren und wirkungsvoll zu kommunizieren.

Die Grundvoraussetzung, um einen solch anstrengenden Wechsel erfolgreich zu vollziehen, ist, dass du dazu Lust hast. Hast du generell Interesse an deinen Kollegen? Oder willst du nur wegen des höheren Lohnes Führungskraft werden?

In einer Führungsposition hast du nicht nur Verantwortung für dich selbst sondern dein ganzes Team.

Grund 2: Du musst viele Aufgaben abgeben, die du so liebst

Um dich als Führungskraft auf das Wesentliche konzentrieren zu können – um “führen” zu können –, musst du dich von deiner alten Rolle lösen und Aufgaben delegieren. Das fällt dem ein oder anderen nicht leicht. Bisher hast du deine Leistung an deinen persönlichen Ergebnissen gemessen, jetzt bestimmt die Produktivität deines gesamten Teams, wie erfolgreich du bist.

Wenn du deine Arbeit wirklich liebst, dann könnte der Wechsel in eine Führungsposition ein Fehler sein. Wie bereits erwähnt, zählt deine Zufriedenheit, dein Glück am Ende des Tages. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf solltest du Entscheidungen treffen. Wozu willst du Führungskraft werden?

Übernimmt man eine Führungsposition so ist es in der Regel notwendig alte Aufgaben abzugeben.

Grund 3: Du wirst es nie allen recht machen können

Am Montag morgen beim Kaffee das Wochenende besprechen, am Donnerstag auf ein Bierchen in die Bar – klar, du kannst all diese Dinge immer noch mit deinen Kollegen machen, aber eure Beziehung wird sich unabdingbar ändern, sobald du eine Führungsposition antrittst. Du musst dich aus jedweder Gerüchteküche heraushalten, darfst keine Lieblinge haben und solltest auch über die anderen Mitglieder der Führungsebene niemals abwertend sprechen. Möglicherweise werden ehemalige oder neue Kollegen versuchen, deine Unerfahrenheit auszunutzen. Bereite dich darauf vor und versuche nicht jedem zu gefallen, jeden glücklich zu machen – das wird eh nicht funktionieren. Hast du einmal eine Entscheidung getroffen, so musst du zu 100 Prozent hinter ihr stehen.

Der Wechsel vom Mitarbeiter zur Führungskraft ist nicht einfach. Da sind Gefühle im Spiel, da kann es eben auch unangenehm werden. Bist du bereit dazu?

Bist du neu in einer Führungsposition, so musst du Soft Skills und Konfliktmanagement erlernen.

Grund 4: Es wird Druck ausgeübt, von allen Seiten

Als Vorgesetzter befindest du dich in einer sogenannten Sandwich-Position. Sowohl die übergeordnete Führungsebene als auch deine Mitarbeiter haben Erwartungen, die zum Teil  ganz widersprüchlich sein können. Es ist deine Aufgabe, die hohen Ziele der Unternehmensführung in einen konkreten Handlungsplan zu übersetzen. Deine Mitarbeiter sollten genau wissen, in welche Richtung es geht und dass sie sich auf dich verlassen können.

Du musst beiden Seiten gerecht werden, was nicht ohne gelegentliche Diskussionen möglich sein wird. Versuche nicht, dauerhaft Harmonie zu wahren, sondern rege konstruktive Diskussion an und sage auch mal „Nein”.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der hohe Leistungsdruck aber vor allem von dir selbst kommen. Du willst losziehen, Dinge verändern und lädst dir viel zu viel auf einmal auf. Da wird eine Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche schnell zum Traum, worunter natürlich auch das Privatleben leiden wird.

In einer Führungsposition nimmst du schnell eine Sandwich-Position ein.

Grund 5: Du wirst ganz allein ins kalte Wasser geschmissen

Sicherlich trifft das nicht auf alle Unternehmen zu, aber ich habe während meines Berufslebens festgestellt, dass viele Neu-Führungskräfte keinerlei Unterstützung erhalten – weder von der Personalabteilung, noch von ihren Vorgesetzten oder externen Coaches. Haben sie danach gefragt oder Hilfe eingefordert? In den meisten Fällen nicht. Wer befördert wird, der will den Anschein erwecken, der Wechsel in eine Führungsposition sei gerechtfertigt, Unsicherheiten werden vertuscht.  

Bist du in einer neuen Führungsposition, so kann dir zu Beginn die Unterstützung fehlen.

Der eine Grund, warum eine Führungsposition genau das Richtige für dich ist

Du hilfst gern anderen? Du hast gesunde Wertvorstellungen, die du konsequent verfolgst? Es gibt wohl kaum einen Job, in dem du das Leben einer Person stärker positiv beeinflussen kannst, als in einer Führungsposition. Wenn du dazu bereit bist, deine Selbstwahrnehmung zu evaluieren, deine emotionale Intelligenz und deine Fähigkeiten weiterzuentwickeln, dann kannst du Menschen Teil einer Vision, eines großen Ganzen werden lassen. Wenn du dazu bereit bist, die Bedürfnisse deines Teams über deine eigenen zu stellen, dann wirst du feststellen, wie stolz es dich machen wird, wenn ihr gemeinsam  Herausforderungen meistert und Erfolge liefert.

Die Entscheidung liegt ganz bei dir

Der eine liebt die Verantwortung und die Herausforderungen, die eine Führungsposition mit sich bringt, der andere eben nicht. Der eine macht die eigene Karriere, der andere die Familie zur Priorität. Das ist okay. Wir sind alle unterschiedlich. Statt den Anforderungen anderer gerecht werden zu wollen, sollten wir uns darauf fokussieren, was uns glücklich macht – egal was das ist.

Die Führungsposition muss sich ändern

Für Unternehmen stellt es natürlich ein Problem dar, wenn immer weniger junge Menschen die Chef-Laufbahn anstreben. Um auch in Zukunft genügend Teamleiter, Geschäftsführer und Manager zu haben, muss ein Umdenken erfolgen.

Verantwortung kann zwischen zwei Personen geteilt werden, sodass Mütter oder Väter auch in Teilzeit arbeiten können. Zur Führungskräfteentwicklung sollte Schulungen – auch von externen Coaches – angeboten und in Testphasen trainiert werden.

Führung kann Spaß machen, Führung kann erfüllen, ohne auszubrennen. Dorthin wollen wir kommen!

Willst du zu einer echten Führungspersönlichkeit werden, lege ich dir mein vierwöchiges Online-Programm „Führen statt Managen“ ans Herz. Dieses Seminar ist für all diejenigen gedacht, die das volle Potential ihrer Mitarbeiter entdecken, erwecken und nutzen wollen. Bist du dabei?

Bannerbild - Führen statt Managen - Mehr Spaß in der Führungsposition