Letztens auf der Familienfeier: Beim Abendessen sitze ich meinen beiden Neffen gegenüber. Beide machen derzeit eine Ausbildung in Handwerksberufen und meckern kräftig über Rotkohl und Klöße. „Mein Chef, der sitzt nur rum. Der macht den ganzen Tag gar nichts und verlangt dann von mir, dass ich auch noch die Abrechnung übernehme. Dabei wäre das doch sein Job”, sagt Max. Fabian stimmt ein: „Bei meinem Boss ist das genauso. Ich würde gern mal wissen, was der den lieben langen Tag macht. Der steht doch nur rum, trinkt Kaffee und quatscht.”

Ich sitze da, lausche und mache mir meine Gedanken. Es gibt zwei mögliche Erklärungen für die Situation, in der sich Fabian und Max befinden. Entweder sollte ihren Vorgesetzten die Unzufriedenheit ihrer Mitarbeiter einmal vor Augen gehalten werden oder aber ihnen müsste erklärt werden, welche Aufgaben eine Führungskraft oder ein Manager hat. Möglicherweise fehlt das Bewusstsein für die Verantwortung, die eine Führungsposition mit sich bringt, möglicherweise ist die Unterscheidung zwischen Führungskräften und Managern nicht ganz klar, möglicherweise stimmt an der offenen Kommunikationskultur im Unternehmen etwas nicht, möglicherweise haben Fabian und Max sich noch nie wirklich dafür interessiert, was der Chef eigentlich macht und sie suchen nur einen Schuldigen für ihre Unzufriedenheit. Wer Erwartungen hat, der schafft automatisch Rollen für einen anderen.

 

Weisst Du, was die Aufgaben einer Führungskraft wirklich sind?

 

 

Was sind die Aufgaben einer Führungskraft?

Kontrollieren, organisieren, koordinieren, planen, inspirieren, delegieren, führen, weiterentwickeln, unterstützen … Zähle doch einfach einmal auf, was du alles von einem guten Chef erwartest. Mitarbeiter wünschen sich einen authentischen Vorgesetzten, der Klartext spricht und jeden am Geschehen in der Firma teilhaben lässt. Sie wollen gelobt werden, wollen Ziele, aber auch Freiheiten. Mitarbeiter – wir alle – wollen, dass man uns zuhört und Empathie zeigt. Wir wollen gefordert, unbedingt aber auch fair entlohnt werden. Wir haben Erwartungen.

Doch wie sieht die Realität aus? Fakt ist, dass selbst vielen Führungskräften nicht ganz klar ist, welche Aufgaben sie eigentlich haben. Sie kommen am Morgen ins Büro, klappen den Laptop auf und beantworten erst einmal E-Mails. Die Flut an Anrufen, Anfragen und Nachrichten bricht nicht ab. Das Mittagessen wird am Schreibtisch hinuntergeschlungen, um keine Zeit „zu verschwenden”. Da gilt es, die täglichen Routinearbeiten zu erledigen, aber auch, die Mitarbeiter und das Unternehmen weiterzuentwickeln. Am Abend knipst dann der Vorgesetzte als Letzter das Licht aus, zieht die Tür zu und atmet einmal tief durch. Wieder ein Tag geschafft.

 

Eine Führungskraft hat zahlreiche Aufgaben, die unter einen Hut gebracht werden wollen. Hierbei gibt es Unterschiede in den Aufgabenbereichen bei Managern und Führungskräften.

 

Natürlich kann hier nicht verallgemeinert werden. Jede Branche bringt andere Anforderungen mit sich, jedes Unternehmen ist unterschiedlich gewachsen und hat verschiedene Hierarchiestrukturen. Nicht zuletzt sind wir alle nur Menschen mit Emotionen und mit 24 Stunden, die uns pro Tag zur Verfügung stehen. Wir brauchen Schlaf, Wasser und Licht, um zu überleben, und zwischenmenschliche Beziehungen und Erfolge, um glücklich zu sein. Was auch immer eine Führungskraft macht, sie wird es nur schwerlich immer jedem recht machen können. Muss sie das denn aber?

Der Unterschied zwischen einem Manager und einer Führungskraft

In der Theorie gibt es eine klare Abgrenzung der Aufgaben einer Führungskraft und denen eines Managers. Während beim Management die Erreichung eines Zieles durch Planung, Organisation und Kontrolle im Mittelpunkt steht, geht es beim Führen darum, Mitarbeiter zu beeinflussen, zu unterstützen und weiterzuentwickeln.

Ein Manager ist für die sachlich-abstrakten Faktoren verantwortlich. Er oder sie beschäftigt sich mit Budgets, Controlling, Planung und Organisation.

Eine Führungskraft ist hingegen für die emotional-menschlichen Faktoren zuständig. Er oder sie fokussiert sich auf das Stiften von Sinnhaftigkeit, auf die Definition der Unternehmenswerte und die Inspiration der Mitarbeiter.

 

Was ist der Unterschied zwischen einer Führungskraft und einem Manager?

Es ist also klug, zwei verschiedene Personen mit unterschiedlichen Charakteren anzustellen. Der eine organisiert, kontrolliert und plant, der andere entdeckt Neuland und kümmert sich um die Herausforderungen, vor dem Unternehmen und Mitarbeiter stehen. In der Praxis ist dies nicht immer möglich, und so stehen viele Führungskräfte vor der Aufgabe, beides zu tun: zu managen und zu führen. Wie lässt sich beides unter einen Hut bringen? Indem man in unterschiedliche Rollen schlüpft.

Authentizität vs. Rollenspiel

Eine Führungsposition bringt ganz unterschiedliche Anforderungen mit sich, die es erforderlich machen, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Wir Menschen machen genau das ständig – nicht nur im Arbeits-, sondern auch im privaten Umfeld. Schließlich haben unsere Kinder andere Erwartungen an uns als unsere Freunde, Nachbarn, unser Bruder, der Fußballtrainer und der Lehrer. Manche Rollen übernehmen wir gern, andere eher ungern. Manchen können wir gerecht werden, anderen nicht.

Um glücklich zu sein und authentisch leben zu können, ist es wichtig, sich mit den Rollen auseinanderzusetzen, die man übernimmt oder denen man ausgeliefert ist. Stress kann zum Beispiel dann entstehen, wenn wir ganz mit unserer Rolle verschmelzen und zum Beispiel nur noch Führungskraft sind. Konflikte entstehen, aber eben auch dann, wenn wir uns weigern, eine Rolle anzunehmen. Wurde jemand zum Beispiel zum Manager befördert, nimmt aber weiterhin „nur” die Rolle des Mitarbeiters ein, so wird das Auswirkungen auf die Zufriedenheit der Kollegen haben.

 

Eine Führungskraft nimmt zahlreiche unterschiedliche Rollen ein.

 

7 „Rollen“ einer Führungskraft

Leader

Inspirieren kann nur, wer wirklich Leidenschaft für eine Sache zeigt. Zu den Hauptaufgaben einer Führungskraft gehört es, den Mitarbeitern die Vision, die Ziele, Strategien und die Werte eines Unternehmens zu vermitteln. Wer sich in genau diesen selbst wiederfindet, der wird motiviert auf die Unternehmensziele hinarbeiten. Zur Personalführung gehört außerdem das Einstellen und Schulen neuer Kollegen, Feedbackgespräche, der Aufbau positiver Beziehungen zu den Mitarbeitern und das Anbieten von Unterstützung.

Galionsfigur

Du repräsentierst als Führungskraft dein Unternehmen, deine Abteilung, dein Team und dessen Leistungen.

Vorbild

Als Führungskraft solltest du stets mit gutem Vorbild vorangehen. Das bedeutet nicht, dass du immer perfekt sein musst. Das ist schließlich keiner von uns.
Entscheidend ist aber, wie wir mit unseren Schwächen, wie wir mit Fehlern und Unwissen umgehen. Ziehst du andere zu Rate? Gibst du einen Fauxpas zu? Übernimmst du Verantwortung für dein Handeln?

Radarschirm und Sender

Kommunikation und somit der Austausch von Informationen ist für Führungskräfte unabdingbar. Führungskräfte sprechen mit Mitarbeitern und dem Vorstand, suchen und finden ständig neue, innovative Ideen; sie pflegen professionelle Netzwerke und geben die gesammelten Informationen an entsprechende Stellen weiter.

Unternehmer

Fühlt sich jeder Angestellte – die Führungskraft eingeschlossen – als Mitunternehmer, so werden alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Hierfür müssen Entscheidungen getroffen werden, jeder muss sich weiterentwickeln und Verbesserungen für bestehende Prozesse finden. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, Erfolge gemeinsam zu feiern und jeden einzelnen in die Geschehnisse im Unternehmen einzubeziehen. Wie sieht es bei dir aus? Wie kannst du deine Mitarbeiter zu Mitunternehmern machen?

Verhandlungsführer und Vermittler


Auch wenn es uns nicht unbedingt bewusst ist: Wir verhandeln und vermitteln ständig. Als Führungskraft ist es deine Aufgabe, mit dem Vorstand über Ressourcen und mit den Mitarbeitern über Gehalt und Positionen zu verhandeln. Du vermittelst zwischen verschiedenen Personen und deren Erwartungen, zwischen verschiedenen Denk- und Sichtweisen. In manchen Unternehmen zählt auch der Kontakt mit wichtigen Kunden und Partnern zum Aufgabengebiet der Führungsriege.

Problemlöser


Konflikte, Krisen, Fehler und Herausforderungen sind unvermeidbar und das ist auch okay so. Wir lernen aus schwierigen Situationen und sie geben uns die Chance, innovative neue Lösungen für unser Unternehmen zu finden. Eine konstruktive Fehlerkultur, die gute Zusammenarbeit im Team und lösungsorientiertes Denken ist hierbei Voraussetzung, um ein Schiff sicher durch jeden Sturm zu segeln.

Neben diesen kann eine Führungskraft natürlich noch weitere Rollen und somit auch Aufgaben übernehmen. Abhängig ist dies immer von den Erwartungen, die seitens des Vorstandes und der Mitarbeiter gestellt werden. Auf diese Anforderungen hast du als Führungskraft in der Regel keinen Einfluss. Du kannst nur entscheiden, wie du mit deiner Rolle umgehst, ob du sie akzeptierst und dich mit ihr wohlfühlst. Hier ist eine gesunde Selbstwahrnehmung gefragt. Frag dich selbst, ob du dir all deiner Rollen bewusst bist und wie du sie anderen vermittelst!

Sind sich Max und Fabian der Rollen ihrer Führungskräfte bewusst? Wahrscheinlich nicht.

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